Hallo zusammen,
unser nächster Themenabend wird sich mit „Therapiebeginn – Therapeuten finden und Hürden bewältigen“ beschäftigen. Dabei möchten wir auf viele Fragen eingehen, die häufig im Chat gestellt werden:
Was ist der Unterschied zwischen Psychiater und Psychotherapeut?
Wie kommt man überhaupt an einen Therapieplatz und was muss man dazu bedenken? Kostet das etwas?
Welche Therapieformen gibt es überhaupt und was ist außerhalb der Therapie an Hilfe möglich?
Was passiert in der ersten Therapiestunde und wie läuft Therapie eigentlich ab?
Wir möchten euch alle gerne zu einer regen Diskussion einladen. Sei es, ob ihr gerade einen Therapieplatz sucht oder in Therapie seid und mit euren Erfahrungen unterstützen könnt. Und alle, die sich einfach mal gerne informieren möchten, sind natürlich auch herzlich willkommen.
Der Themenabend findet statt am 29.07.2022, 19:30 Uhr. Es wird für diesen Abend einen separaten Raum geben, so dass alle anderen Gespräche wie üblich in den bekannten Räumen stattfinden können. Bitte beachtet, dass unsere Berater zu diesem Zeitraum im Themenabend gebunden sind und erst danach wieder für weitere Gespräche zur Verfügung stehen.
Wir freuen uns auf euch,
das KC-Team
Am 29.07.2022 fand unser Themenabend statt. Vielen Dank an alle User, die sich an der Diskussion beteiligt hatten. Von diesem Miteinander leben unsere Themenabende.
- Ziemlich schnell zeigte sich bei diesem Thema, dass es schwierig ist, einen Therapieplatz zu finden. Sei es, weil man gar nicht so genau weiß, wo man gut startet, oder aber weil man überall nur auf Wartelisten und volle Plätze stößt. Einen Therapieplatz zu finden, kann leider aktuell ganz schön kräftezehrend sein und das zu einem Zeitpunkt, wo man gefühlt schon keine Kraft mehr hat. Besonders Nachmittagstermine sind begehrt. Welche Möglichkeiten haben sich bei unserem Themenabend zusammengetragen?
- Der erste Schritt ist wohl sich zu überwinden, einen Arzt/ Therapeuten zu kontaktieren.
- Wenn man das Gefühl hat „Mir geht es nicht gut. Ich bin kraftlos, traurig und niedergeschlagen und kenne keinen richtigen Grund dafür“, dann sollte der erste Schritt zum Hausarzt sein. Er nimmt meist auch Blut ab und checkt den Körper durch. Psychische Krankheiten können ähnliche Symptome haben, wie körperliche Krankheiten (z.B. Vitaminmangel, Probleme mit der Schilddrüse, etc.). Eine körperliche Ursache wird damit ausgeschlossen. Oftmals wird man zu Therapiebeginn deswegen zum Hausarzt geschickt. Der Hausarzt kann auch Medikamente verschreiben oder eine Krankmeldung ausstellen.
- In Österreich ist eine Untersuchung beim Hausarzt vor der zweiten Einheit Pflicht und eine notwendige Voraussetzung zur Kostenübernahme durch die Krankenkasse.
- Eine Krankmeldung kann im ersten Moment zu einer Entlastung führen und ist nichts Peinliches oder Schlimmes. Sie hat nichts mit Schwäche zu tun, denn krank ist krank. Zusätzlich steht der Stempel vom Hausarzt drunter, so dass niemand erfährt, warum man krankgeschrieben ist. Ein Hausarzt kann eine Krankmeldung vom Psychiater auch umschreiben, d.h. der Hausarzt stellt die Krankschreibung neu aus und macht den eigenen Stempel drunter. So fällt es z.B. beim Arbeitgeber oder in der Schule nicht auf, dass die Krankmeldung wegen einer psychischen Erkrankung ausgestellt ist.
- Manche Fachärzte möchten eine Überweisung vom Hausarzt. Dazu muss man beim Hausarzt einen Termin ausmachen und ihm die Situation beschreiben. Er wird dann eine Überweisung ausstellen. Als Allgemeinarzt, worunter auch die Psyche fällt, wird der Hausarzt einen nicht verurteilen, sondern zu einem Facharzt überweisen.
- Fachärzte informieren auch oft den Hausarzt, so dass bei ihm/ ihr alle Informationen zusammenlaufen und er den Patienten vollständig im Blick hat.
- Ein Psychiater (Mediziner) verschreibt meist Medikamente, führt aber keine längeren Gespräche. Er ist der Facharzt für die Psyche, kümmert sich auch mit um Blutwerte oder EKG. Als Mediziner kann er auch eine Krankmeldung ausstellen.
- Hausarzt und Psychiater können häufig mit Listen von Therapeuten unterstützen. Aktive Unterstützung, wie Telefonate, führen sie jedoch nur selten durch.
- Therapeuten sind oft studierte Psychologen (Dipl. Psych.) , Soziologen (Dipl. Soz.) oder ähnliches. Sie sind keine Mediziner (Dr. med.). Daher dürfen Therapeuten in der Regel keine Medikamente verschreiben oder Krankmeldungen ausstellen. Ausnahme sind therapeutisch arbeitende Mediziner. Therapeuten können jedoch Empfehlungen geben und kennen sich auch oft mit den gängigen Medikamenten aus.
- Listen über die Krankenkasse (gibt nur Therapeuten aus, die auch übernommen werden).
- Hat man einen Betreuer, kann man auch diesen ansprechen.
- Online-Suchportale
- Sich Unterstützung durch Familie oder Freunde holen.
- Patientenservice des ärztlichen Bereitschaftsdienst unter 116117 kann bei der Suche unterstützen
- Listen über die kassenärztliche Vereinigung
- Ausbildungsinstitute haben oft mehr Kapazitäten.
- Um an einen Therapieplatz zu kommen, muss man dort hin anrufen (oder eine E-Mail schreiben, wobei die meisten den telefonischen Kontakt bevorzugen) und einen Termin ausmachen, wie bei Ärzten auch.
- am Telefon: Name und Zustand nennen, braucht oft keine Details
- Bei großer Angst einen kleinen Text schreiben, den man dann vorlesen kann. Damit ist man weniger überfordert.
- Am besten möglichst viele Therapeuten anrufen und mehrere Erstgespräche ausmachen. Damit kann man vergleichen, wo es einem besser gefallen hat und wen man sich als Therapeuten besser vorstellen kann.
- Ein Erstgespräch kann meist schnell vereinbart werden, so dass man zeitnah eine Tendenz hat, ob man zu diesem Therapeuten will oder nicht.
- Merken Therapeuten einen extrem hohen Therapiebedarf, können sie einen neuen Patienten auf der Warteliste vorziehen. Die Bearbeitung der Warteliste liegt im Ermessen des Therapeuten.
- Immer auf die Wartelisten setzen lassen. Meist geht es schneller. Besser einen Platz auf einer Warteliste, als gar keine Option. Absagen kann man schnell.
- Neben Therapeuten mit Kassenzulassung (die Krankenkasse übernimmt die Kosten), gibt es auch Therapeuten für Privatzahler, d.h. der Patient übernimmt die Kosten in voller Höhe. Eine solche Therapie wird nicht in der Krankenakte der Krankenkasse vermerkt, da die Krankenkasse davon nichts weiß. Eine Therapiestunde (meist 40-50 min) liegt dabei zwischen ca. 60 und 100 €.
- Manche Therapeuten arbeiten mittlerweile auch online. Der Weg diese zu kontaktieren du Wartelisten sind jedoch identisch zu Therapeuten mit Praxisanwesenheit.
- Kostenlose Therapien sind meist auf wenige Stunden beschränkt und werden häufig nur für Kinder und Jugendliche Angeboten.
- Man hat meist bis zu 4 Probestunden, in denen man mit dem Therapeuten redet und sehen kann, ob man sich bei diesem Therapeuten eine Therapie vorstellen kann. Dann werden die Stunden offiziell durch den Therapeuten bei der Krankenkasse beantragt.
- Jeden Telefonanruf an Therapeuten mit Datum und Uhrzeit notieren. Erhält man nur Absagen, kann bei der Krankenkasse ein Kostenerstattungsverfahren eingeleitet werden. Dazu wird der Nachweis über Absagen benötigt. Bei einem Kostenerstattungsverfahren kann beantragt werden, dass die Krankenkasse die Kosten übernimmt, die man sonst privat zahlen müsste. Aber: erst abklären! Sonst bleibt man ggf. auf Kosten sitzen.
- Gesetzlich versicherte Jugendliche können ab 15 Jahren alleine zur Kinder- und Jagendtherapie und eine Psychotherapie alleine bei der Krankenkasse beantragen. Voraussetzung ist die Versichertenkarte einzulesen. Dies ist allerdings ein Richtwert und hängt auch von der Einschätzung des Therapeuten (oder auch Mediziners ab), ob dieser die Eltern informiert. Therapeuten kennen dieses Problem und können dazu auch beraten.
- Richtige Verbote einen Beruf nach einer Therapie nicht ausüben zu dürfen, sind nicht bekannt. Als Krankheit fallen auch psychische Krankheiten unter die Vertraulichkeit. Es kann jedoch zu Einzelfallentscheidungen kommen. Bei Verbeamtungen kann das Thema kritisch sein. Hierzu gibt es auch immer wieder Gesetzesänderungen.
- Es gibt unterschiedliche Therapieangebote. Die meisten sind Gesprächstherapien mit Verhaltenstherapeutischen oder tiefenpsychologischen Ansätzen, meist in Einzel- oder Gruppentherapie. Sie werden Deutschland allgemein von der Krankenkasse übernommen, in Österreich ist es kritischer. Speziellere Angebote wie Ergotherapie (muss beantragt werden) oder Reittherapie werden häufig nicht von der Krankenkasse übernommen.
- Therapien können ambulant, teilstationär oder (voll)stationär (Klinik) erfolgen. Ein Sonderfall ist die Sicherheitsverwahrung (geschlossene). Sie ist meist nur kurzfristig. Der Patient wird oft mit Medikamenten stabilisiert und ruhiggestellt. Hierbei soll eine Fremd- oder Eigengefährdung verhindert werden. Der Aufenthalt stellt keine Therapie dar, jedoch kann sich eine Therapie danach anschließen.
- Diagnosen werden oftmals über einen längeren Zeitraum ermittelt. Hierzu kommen Fragebögen und Gespräche, besonders über die Vergangenheit und Erlebtes zum Einsatz. Ein Therapeut kann Gespräche so lenken, dass er/sie entsprechende Hinweise für eine Diagnose enthält. Zu Beginn wird oftmals eine „Anpassungsstörung“ diagnostiziert, wenn noch keine Diagnose gesichert ist. Damit kann ein Therapeut weitere Stunden bei der Krankenkasse beantragen. Diagnosen können sich auch im Laufe der Therapie verfeinern, ändern oder weitere Diagnosen hinzukommen. Hierzu kommt auch, dass sich der ICD („Buch der Diagnoseschlüssel“) immer wieder ändert und Krankheiten anders aufgeteilt oder benannt werden.
- Keine Angst vor Diagnosen! Eine Diagnose stempelt dich als Mensch nicht ab, sondern sie gibt Anhaltspunkte, wo eine Therapie wie ansetzen kann und sie gibt der Krankenkasse ebenfalls an, wie ein Therapieverlauf aussehen kann.
- Neben Therapeuten gibt es auch diverse Beratungsstellen, wo geschulte Berater tätig sind, z. B. Caritas, Diakonie, Seelsorge durch Priester oder auch Selbsthilfegruppen. In Österreich gibt es auch kostenlose Angebote der Krankenkassen.
- Zur ersten Therapiestunde muss man immer die Versichertenkarte mitbringen. Ansonsten kann eine kleine Liste mit Themen und Fragen (Probleme, Ziele, was erwarte ich? Was benötige ich?) hilfreich sein, evtl. Skills gegen eine hohe Anspannung (lohnt sich evtl. auch später immer wieder). Eine Überweisung, falls gefordert. Ebenfalls kann man frühere Unterlagen von Kliniken oder anderen Ärzten mitbringen.
- Auf jeden Fall sollte man die Möglichkeit weiterer Termine und deren Häufigkeit besprechen.
- Passt die zwischenmenschliche Chemie beim Erstgespräch so gar nicht, darf man das sagen und auch früh wieder gehen. Man muss nicht die Zeit absitzen. Wenn der Therapeut nicht der richtige ist, hat es keinen Wert etwas zu erzwingen. Ein guter Therapeut geht auf die Bedürfnisse des Patienten ein, auch wenn es Weggehen ist.
- Im Erstgespräch darf nicht nur der Therapeut Fragen stellen, man darf selbst auch fragen, was einem wichtig ist.
- man kann ebenfalls gleich klären, ob der Therapeut für das eigene Krankheitsbild geeignet ist. Manches erfordert Spezialisierungen.
- Ein Therapeut fragt oft, warum man da ist, wie es einem geht, das allgemeine Befinden. Damit wird ein einfacher Einstieg in ein Gespräch ermöglicht. Oftmals kommen auch ganz allgemeine Fragen zu Arbeit/ Schule/Studium, Familie, Partnerschaft, Kinder, damit der Therapeut weiß, was so rundum alles los ist.
- Man darf immer sagen, wenn man über ein Thema nicht reden will. Man muss dem Therapeuten auch nicht zwingend ansehen (auch wenn es oft gewollt wird) oder ihm gegenübersitzen. Man darf auch mal aufstehen, aus dem Fenster sehen, Aktionen ergreifen, die es einem selbst einfacher machen, sich zu öffnen. Jeder hat verschiedene Bedürfnisse um sich zu öffnen. Der Therapeut sollte darauf eingehen und die Therapieform entsprechend dazu passen.
- Ein Therapeut sollte keinen Druck machen, sondern Vertrauen aufbauen. Wenn kein Vertrauen entsteht, ist der Therapeut der falsche. Vertrauen aufzubauen kann jedoch auch länger dauern.
- Wichtige Kriterien des Therapeuten können Kompetenz, Empathie, Verständnis, zielorientiertes Denken, Sachlichkeit, Struktur, Geduld, Ehrlichkeit und Fachkenntnis sein. Ein Therapeut sollte euch auch immer wieder Rückmeldung geben, wo ihr gerade in der Therapie steht und eure Fortschritte sichtbar machen. Es kann aber dauern, bis sich Erfolge einstellen. Ein Therapeut sollte euch und euren Problemen aktiv zuhören und keine voreingenommene Meinung haben. Ein Therapeut sollte sich dem Tempo des Patienten anpassen können, v.a. bis der Patient bereit ist, über kritische Themen zu reden.
- Eine Therapiestunde kann sehr anstrengend sein. Danach sollte man sich eine Erholungspause gönnen und auch etwas Schönes einplanen.
- Der Patient muss die Mitarbeit in der Therapie mitbringen. Nur hingehen ändert nichts, solange man selbst nicht an sich arbeiten will und aktiv Änderungen herbeiführt. Manchmal gibt es auch spezielle Hausaufgaben zur Übung zwischen den Therapiestunden.
- Ein Therapeut sollte immer auf die Stabilität des Patienten achten, diesen ggf. erst wieder stabilisieren, bevor schwierige Themen behandelt werden.
Du kannst hier über deine Probleme und Sorgen schreiben, seien es Krankheit, Depressionen, Mobbing, Trauer oder Liebeskummer oder andere Themen, die dich belasten.
Bitte beachte, wir sind kein Dating-Chat oder ähnliches.
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