Selbstmotivation und Selbstdisziplin stehen im engen Zusammenhang mit der (Selbst)Sabotage. Sabotage bedeutet in dem Fall alle Störfaktoren, die uns hindern ein Ziel zu erreichen. Oftmals sind uns Fehler leider vertrauter als Erfolg. Gedanken wie „ich kann doch eh nichts“ oder „das klappt nie“ können wir uns teilweise wie ein Mantra aufsagen. Diese langfristigen und negativen Kommentare, ob sie von uns selbst oder von anderen kommen, demotivieren jedoch, so dass man sich gar nicht mehr traut ein Projekt zu starten und sowohl die Selbstmotivation als auch die Selbstdisziplin darunter leiden.
Diese negativen Kommentare fördern Fehlschläge, da sie direkt den Zweifel hervorrufen und das Selbstvertrauen zerstören. Wiederholte Fehlschläge führen zu Zweifel und Angst Dinge anzupacken, weil sie scheitern können. Hat man mehrfach die Erfahrung gemacht, dass Vorhaben wirklich scheitern oder nicht zu einem positiven Ergebnis führen, mindert das die Motivation. Wird eine Fremdmotivation von außen zusätzlich untergaben, z.B. mit Kommentaren wie „das schaffst du doch eh nie“ oder „dazu bist du zu dumm/ zu faul“, sabotiert das das ganze Vorhaben. Ängste können aber auch durch äußere Umstände hervorgerufen werden, indem eine notwendige Veränderung vermieden wird. Das kann ein neues eigenes Verhalten oder eine Änderung der persönlichen Einstellung gegenüber anderen Dingen sein, ein Schul- oder Arbeitsplatzwechsel oder auch ein Umzug in eine neue Wohnung oder gar in eine andere Stadt. Man ist sich bewusst, dass das Gewohnte und Bekannt nicht gut ist, man damit Probleme oder sogar Qualen hat. Aber die Angst vor neuem ist zu groß, als dass man sich den Schritt der Veränderung traut. Eine Veränderung könnte noch schlechter sein, negative Konsequenzen haben, die man nicht auch noch ertragen kann. Das Negative zu glauben kann einfacher sein, als das Positive zu sehen. Unsere Gedanken können an dieser Stelle die wildesten Ideen hervorbringen. Und doch sabotieren diese Gedanken die Motivation, halten uns ab, Dinge anzugehen.
Oftmals sind das keine aktive Gedanken, sondern Zweifel, die sich langsam einschleichen. Selbstsabotage kann sich daher oft unterbewusst auslösen. Man entscheidet sich nicht bewusst gegen das Gute, sondern für die Angst. Teilweise läuft es so unterbewusst ab, dass die Angst selbst nicht mal wahrgenommen wird. Es werden aktive Entscheidungen getroffen, gegen Schritte, die aus der negativen Situation führen können: Eigentlich sollte man aufstehen und aktiv sein. Aber es ist so schön warm im Bett, da bleibe ich lieber liegen. Was will ich schon den ganzen Tag tun? Das kann ich auch später machen. Wozu soll ich mich da gleich groß anstrengen, das schaffe ich eh nicht. Solche und ähnliche Gedanken können uns ganz automatisch blockieren. Sie kommen ungefragt, ausgelöst von dem Ereignis „Aufstehen“. Es wäre also wichtig aufzustehen um diesem Gedankenkarussell zu entkommen. Wer nicht an sich selbst, seine Ziele und den Erfolg glaubt, wird sich immer wieder selbst sabotieren und diesem Kreis nicht entkommen. Auch wenn andere nicht an einen Glauben und dadurch eine Fremdsabotage vorliegt, so muss man selbst an sich glauben, um Dinge ändern und verbessern zu können: Ich versuche es, ich kann das schaffen!
Eine weitere Selbstsabotage ist ein fehlender Sinn oder Grund etwas zu tun. Dahinter stehen oft mangelnde Wünsche oder Ziele. Auch ein äußerer Zwang ist nicht immer zielführend. Wir brauchen feste Ziele im Leben um dran zu bleiben, um uns weiterzuentwickeln und negative Situationen zu ändern. Oftmals steckt auch ein Mangel an eigenen Bedürfnissen dahinter, die entweder nicht wahrgenommen oder sogar bewusst ignoriert werden: „mir darf es schlecht gehen, ich bin eh nichts wert“. Wenn ein Mangel an den eignen Bedürfnissen eintritt, sollte man lernen diese frühzeitig wahr zu nehmen und den Wunsch haben etwas zu ändern: „auch mir darf es gut gehen, das bin ich mir wert“. Auch hier ist zuerst die Selbstdisziplin gefragt. Der Anfang ist schwer, es bedarf der Selbstreflektion und dem Erkennen, was geändert werden muss. Eine mangelnde mentale Stärke kann hemmen, man sucht immer wieder ausreden, die man vorschiebt um nicht anfangen zu müssen, das eigene Leben zu verbessern. Oftmals gibt man auch äußeren Umständen die Schuld. Sie können Ursache sein, ein unüberwindbares Hindernis. Reflektiert man hier sorgfältig, werden viele dieser Gründe fadenscheinig. Man findet Auswege, benötigt jedoch Kraft, Selbstdisziplin und Selbstmotivation um diese zu beschreiten. Man sucht immer wieder neue Ausreden. Hier heißt es raus aus der Komfortzone. Und das geht nur über Selbstdisziplin. Der Selbstdisziplin kann dann die Selbstmotivation nachfolgen.
Das führt zum nächsten möglichen Punkt der Selbstsabotage: ein ungenügendes oder schlechtes Selbstbild. Wir lassen uns oft von anderen Menschen beeinflussen. Das passiert leider auch bei unserem Selbstbild. Ein ungenügendes Selbstbild („ich bin nichts wert, es ist eh egal“) kann eine Ursache sein, dass eine Veränderung nicht angegangen wird oder auch hemmend wirken. Vielleicht fühlt man sich der guten Dinge auch unwürdig: „das ist was für andere, aber nichts für mich. Ich habe nichts Gutes verdient.“ Ein schlechtes Selbstbild lässt sich ablegen, indem man Dinge versucht und merkt, dass sie doch funktionieren und es einem auch mal besser gehen darf. Versucht man neue Dinge, lauert auch hier die Gefahr der Rückschläge, des Scheiterns. Auch hier ist die Selbstdisziplin gefragt, denn man darf nicht direkt wieder aufgeben, auch wenn es drei, fünf oder zehnmal schief geht, dann muss die Vorgehensweise neu angepasst werden, aber ein Aufgeben durch Angst führt wieder in die Selbstsabotage. Typische Mantras der Selbstsabotage durch ein ungenügendes Selbstbild sind:
- „ich bin nicht intelligent genug“
- „ich bin nicht attraktiv genug“
- „ich werde das nie schaffen“
- „ich bin es nicht wert geliebt zu werden“
- „ich werde das nie können“
Viele Menschen haben eine ganze Reihe dieser Glaubenssätze, die automatisch jedes Mal wieder hochkommen, sobald sich die Idee eines neuen Vorhabens entwickelt, oder aber tatsächlich nach einem Scheitern: „war ja klar, dass das nichts wird. Bei mir wird ja nie etwas. Mein ganzes Leben ist kaputt.“
Ist das Umfeld negativ, so kann diese Ablehnung noch von außen verstärkt werden: „ich wusste, dass du das nicht schaffst. Du hast doch in deinem ganzen Leben noch nie was hinbekommen.“ Diese Einstellung, hört man sie nur oft genug und deckt sie sich dann mit den eigenen Erfahrungen, wird zu einem eigenen Glaubenssatz, den man sich Mantra gleich vorsagt. Aus der Fremdsabotage wird ein Kreislauf der Selbstsabotage. Fängt man an, die negative Einstellung anderer an sich zu glauben, fällt die eigene Leistung ab. Da andere keine Erwartungen an einen stellen, stellt man sie sich selbst auch nicht mehr. Die Leistung sinkt automatisch ab auf dem Weg der Abwärtsspirale. Es tritt eine vorprophezeite Erfüllung der Ereignisse ein. Dieser Kreislauf kann in einer Lähmung enden: „ich werde das eh nie schaffen“. Durch Aufgeben wird automatisch der Misserfolg angenommen.
Wer sich z.B. selbst sagt, dass er nie geliebt werden wird, dass er nicht liebenswert ist, strahlt das unterbewusst aus. Meist geht es auch mit einer mangelnden Selbstliebe und Selbstfürsorge einher. Wie soll man also einem anderen Menschen Liebe und Fürsorge entgegenbringen, wenn man es für sich selbst nicht kann? Mit einer solchen Einstellung wird man selten eine echte Liebe finden. Auch hier kann eine Selbstsabotage eintreten durch eine Scheinliebe, eine vorgespielte Beziehung, die toxisch und zerstörerisch sein kann (kann, nicht muss!).
Nimmt man diese negativen Glaubenssätze anderer an und macht sie zu seinen eigenen, fokussiert man sich nur auf die schlechten Ereignisse, auf die Misserfolge, so nimmt man die Selbstsabotage an. Die Selbstsabotage wird zu einer ständigen Eigenschaft und einem ständigen Verhalten. Die Selbstsabotage wird zur Gewohnheit. Wir werden so, wie andere uns sehen wollen. Durch zusätzliche Fremdsabotage festigt sich diese Gewohnheit noch stärker. Man wird in dieser negativen Gewohnheit gefangen. „Ich werde das nie können/ haben“, lässt man solche Glaubenssätze zur Gewohnheit werden, wird man sich auch automatisch so verhalten. Man sucht die Rechtfertigung des eigenen negativen Glaubenssatzes. Damit kann auch der Rückzug von anderen Menschen einhergehen. Da man sich selbst keinen Wert mehr beimisst, erwartet man das auch nicht vom Umfeld: „mich mag eh niemand“. Der Rückzug fällt leicht, wirkt sich jedoch insgesamt negativ aus. Das negative Denken und Verhalten hemmen Dinge und Aktionen um Gewohnheiten zu ändern. Jede Gewohnheit lässt sich ändern mit genügend Selbstdisziplin und Selbstmotivation. Versagensängste und Selbstzweifel können auch hier blockieren. Wichtig ist sich immer wieder den eigenen Stärken bewusst zu werden, und die hat jeder Mensch in sich.
Ist der Glaube an sich selbst gering, müssen zuerst ganz kleine Schritte unternommen werden, um der Selbstdisziplin und der Selbstmotivation ein Fundament zu geben. Die Angst zu scheitern, mag da sein, aber Ängste sind oft nicht rational. Sie malen uns ein worst-case Szenario, das nicht eintreten muss. Leider läuft meist nicht alles nach Plan. Hier sollten Rückschläge oder Änderungen akzeptiert und angegangen werden. Man darf nicht den Mut verlieren. Das Leben besteht aus Versuchen, Misserfolgen und Erfolgen, aber nur durch Ausprobieren und Lernen entwickeln wir uns weiter. Würde man bei den Misserfolgen aufhören, würde der Mensch sich nicht entwickeln. Wie oft fällt ein Kleinkind hin und tut sich weg dabei? Würde es schnell aufgeben, würde es nie laufen lernen. Das Kleinkind hat noch keine Glaubenssätze und ist sich den negativen Einflüssen kaum bewusst. Wir müssen also gedanklich zurück zu dem Kleinkind in uns. Die Welt neu erleben, mit neuen Augen sehen und zu der Beharrlichkeit, Selbstmotivation und Selbstvertrauen in uns zurück: „ich will das können“. Das Laufen wurde nach vielem Üben zur Gewohnheit, wir denken heute kaum darüber nach, wo uns unsere Füße hintragen. Diese Gewohnheit hilft uns, den Fokus auf andere Dinge zu lenken. Nach einer Verletzung, kann es sein, dass der Fokus zumindest kurzzeitig wieder auf das Laufen gelenkt wird, erst dann wird uns sowas wirklich bewusst. Auch die technologischen Entwicklungen, sämtliche wissenschaftlichen Errungenschaften der Menschheit basieren auf Versuchen, vielen Misserfolgen und Erfolgen. Der Mensch hat das Potential sich weiter zu entwickeln. Das steckt in jedem von uns, für unterschiedliche Ressourcen, und es kann aktiviert werden.
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