Auf dem Weg der Therapie werden vermutlich verschiedene Faktoren auffällig. Die Therapie dient dem Patienten sich zu öffnen und schwierige Situationen zu verarbeiten. Hierbei wird auch die therapeutische Beziehung (d.h. die Beziehung zwischen Helfer und Patienten) vertieft und verändert. So wie sich der Patient im Laufe der Behandlung ändert, so lernen auch Helfer durch die Arbeit mit Betroffenen immer wieder dazu. Auch die besten Helfer können jedoch nicht zaubern. Eine Therapie kann nur funktionieren, wenn der Patient bereit ist auf eigenverantwortliche Lern- und Veränderungsprozesse einzugehen, sich den Ängsten zu stellen und entsprechend mitzuarbeiten. Wichtig ist dabei auch die Weiterentwicklung des Patienten zu beobachten. So kann der Helfer dazu auch immer wieder Feedback anbieten. Kein Helfer ist perfekt, so können Missverständnisse und Fehler auftreten. Diese gilt es zu erkennen und zu beheben. Das gilt gleichermaßen auch für den Patienten. Die wichtigste Zutat der Therapie ist die Mitarbeit des Patienten, der Wunsch und das Wollen etwas im Leben zu verändern. Das beginnt bei der eigenen Einstellung und kann auch räumliche, berufliche oder familiäre Faktoren beinhalten. Verschließt sich der Patient gegen die Mitarbeit, ist ihm nicht zu helfen. Die Mitarbeit ist also der entscheidende Faktor. Sich nur auf einen Stuhl einer Person gegenüber hin zu setzen, die Zeit abzusitzen, hilft nicht. Die Veränderung kommt letztendlich aus dem Inneren des Patienten. Der Erfolg einer Therapie hängt daher nur teilweise vom Helfer ab. Ein guter Helfer schafft es die Eigeninitiative des Patienten zu stärken und somit eine Selbstheilung anzuregen. Jedoch kann auch ein guter Helfer nur so weit agieren, wie es der Patient zulässt. In einem Patienten kann viel Verborgenes stecken, das einem Helfer erst im Laufe der Therapie klar wird. Daher ist zu Beginn der Ausgang der Therapie nicht absehbar. Es gibt Zielsetzungen. Daher wird ein seriöser Helfer keine Garantie auf Heilung geben. Das ist kein Eingeständnis der eigenen Unfähigkeit, sondern eine bodenständige Herangehensweise. Sie bedeutet ebenfalls nicht, dass sich der Helfer keine Mühe gibt, sondern lediglich, dass auch er nicht sehen kann, wie sich die Zukunft im Detail entwickelt. Gibt ein Helfer hingegen bei einem Versagen der Therapie die alleinige Schuld dem Patienten, so ist dies ebenfalls kein seriöses Verhalten. Auch der Therapeut hat die Aufgabe zu dem Patienten, teilweise durch einen massiven Schutzwall, durchzudringen. Ist ihm das nicht möglich, so sollte ein guter Helfer sich dies auch eingestehen. Hier kann es auch gut sein, dem Patienten mitzuteilen, dass er der falsche Helfer ist. Mit diesem Eingeständnis, wird keine Unprofessionalität deutlich, sondern das Gegenteil: Der Helfer verbraucht nicht die bewilligten Stunden oder das Geld des Patienten, sondern gibt ihn an einen Kollegen weiter, der möglicherweise fähig ist zu helfen. Lehnt ein Therapeut also die Annahme eines Patienten ab, da das Krankheitsbild nicht zur Ausbildung passt oder weitere Indikatoren vorliegen, so zeugt das von einer gewissen Seriosität und auch den Fokus auf dem Patienten und der Hilfe, die dieser erhalten soll.
Gibt ein Helfer vorab schon eine Garantie auf Heilung, kann dies den Patienten auch in eine gewisse Bequemlichkeitsposition bringen: Die Heilung kommt garantiert, ob ich nun mitarbeite oder nicht. Ich muss nur hingehen. Diese passive Erwartungshaltung mindert jedoch den Erfolg einer Therapie, da der Patient eine aktive Mitarbeit gewährleisten muss. Diese Passivität fördert jedoch den Misserfolg einer Therapie. Die Behandlung einer psychischen Krankheit ist also nicht gleich zu setzen der einer körperlichen Krankheit, wo man gelegentlich zum Arzt geht, der etwas hier drückt, da was einreibt und drei Tabletten später läuft alles wieder. Eine Therapie bei einer psychischen Erkrankung ist vielmehr ein Mitarbeiten und ein Lernen.
Einige Denkanstöße einer Therapie können zeitversetzt, teilweise erst Monate oder Jahre später, eintreten. Ein Moment, wo das Gesagt endlich „klick“ macht. Nicht jede Therapiestunde muss daher mit einem Aha!-Erlebnis abgeschlossen werden. Solche Momente können auch eintreten, wenn bereits eine Lebens- oder Wahrnehmungsänderung eingesetzt hat. Durch eine Therapie kann sich die Wahrnehmung oder Bewertung von Ereignissen im Alltag verändern. Daher kann eine Therapie noch langfristig nachschwingen.
Regelmäßiges Feedback ist von beiden Seiten wichtig. So kann ein Helfer die Fortschritte des Patienten aufzeigen, was diesen weiter anspornen kann. Es sollte immer die richtige Menge an Erfolg zurück gemeldet werden und den Patienten auch auf nächste Schritte vorbereitet werden, die länger dauern können, bis der nächste Erfolg eintritt. Diese Aufklärung dient der richtigen Erwartungshaltung und schützt auch vor Enttäuschungen. Wichtig ist aber auch, dass der Patient offen Feedback an den Helfer geben kann, ohne beschuldigt zu werden, es läge ja alles an ihm. Manche Methoden sind für einen Patient nicht geeignet oder die Themeninhalte der letzten Sitzung waren zu viel, zu massiv, lösten Flashbacks aus und triggerten noch Tage danach. Das kann zu einem Verhalten führen, in dem der Patient nicht mehr genügend auf sich und die eigene Gesundheit achtet, oder zu Lethargie-Zuständen, sodass er sich krank melden musste. Dann wird zu schnell in der Therapie vorgegangen. Ein Helfer kann dies aber erst durch Feedback einschätzen. Das ist wichtig, damit der Patient nach einer Therapiestunde nicht in ein emotionales tiefes Loch fällt. Dieses Feedback darf auch immer vom Patienten gegeben werden. Gute Helfer fragen zu Beginn der nächsten Stunde nach. Hier darf man ehrlich sein. In einer Therapie muss man nicht stark sein. Ein guter Helfer geht auf dieses Feedback angemessen ein und bietet auch Hilfestellungen, falls das emotionale Loch doch kommen sollte.
Eine Therapie ist ein Stück Lebensweg und wie jeden Weg, den wir beschreiten kann er mal eben oder mal steinig sein. Egal wie er verläuft, er braucht immer Zeit, indem er beschritten wird. Zeit ist daher ein weiterer Aspekt in einer Therapie. Wird die Therapie nur auf wenige Stunden veranschlag oder über einen festgesetzten Zeitraum (z. B. Klinikaufenthalt), kann das zu einem ungewünschten Zeit- und Erfolgsdruck führen: ich muss in den drei Monaten der Klinik wieder gesund werden und danach wieder funktionieren, für die Arbeit, die Familie… Therapie ist jedoch eine Entwicklung und manche Faktoren treten erst nach einer gewissen Zeit auf. Diese gilt es dann neu zu bewerten. Nach einem Klinikaufenthalt kann daher eine anschließende ambulante Therapie hilfreich sein. Therapiestunden können neu beantragt werden und die Therapie damit verlängert werden. Es ist wichtig das richtige Ziel im Auge zu behalten, die Genesung, nicht die Zeit. Wird eine Heilung nach kurzer Zeit prognostiziert und diese tritt nicht ein, kann dies auch zu einer Unzufriedenheit des Patienten führen. Gerade bei psychischen Krankheiten kann dies zu einer Verschlechterung des Zustandes führen: mir ist eh nicht zu helfen, nie klappt etwas in meinem Leben… Das kann soweit führen, dass eine Behandlung abgebrochen wird. Der Patient verspürt Frust und Hoffnungslosigkeit, wo ihm doch geholfen werden sollte. Teilweise tritt auch eine Eigenschuld und Selbstzweifel ein. Werden Heilungsprognosen jedoch in zu langen Zeitbahnen abgesteckt, so kann auch dies abschrecken. Ein gutes Mittelmaß sind hier einzelne Etappenziele und regelmäßiges Feedback durch den Helfer.
Der Weg der Heilung sollte demnach auch ein Weg zur Linderung der Beschwerden sein. Dieser Weg sollte nicht in Druck oder Stress münden. Manchmal können erste Gespräche schon befreiend wirken, da jemand ohne Vorurteile zuhört und die Probleme ernst nimmt. Es kommt keine Kritik, dass man still funktionieren soll. Dies ist ein erster Schritt auf dem Weg der Heilung, jedoch wird dieser meist länger andauern. Ein Erfolg oder eine gewisse Geschwindigkeit kann dabei nicht erzwungen werden. Das hängt sowohl vom Helfer als auch vom Hilfesuchenden und seinen Problemen ab. Hier können Probleme in der Vergangenheit verkettet sein, die erst im Laufe der Therapie sichtbar werden. Jedes Gespräch ist wertvoll, auch wenn es nicht immer direkt so scheinen mag. Der Patient nimmt immer etwas daraus mit. Manchmal ist es direkt sichtbar, in anderen Fällen kann die Erkenntnis auch erst Monate später eintreten. Ein guter Helfer versucht daher die Sitzung mit einem positiven Ende zu gestalten, dass der Patient ein gutes Gefühl beim Verlassen der Praxis hat. Das ist je nach Thema nicht immer möglich, da viele negative Erlebnisse aufgewirbelt werden können. Jedoch sollte man nicht immer mit einem schlechten Gefühl aus dem Gespräch gehen. Ebenso sollte von Gespräch zu Gespräch eine Vernetzung bestehen, um den Patienten als Ganzes zu behandeln und nicht jedes Mal ein einzelnes Ereignis ohne Zusammenhang betrachten. Hierzu wird sich ein Helfer gerade auch zu Beginn Notizen machen, Begebenheiten zu denen er weitere Fragen hat und genauer beleuchten will, und ein Verständnis für die Vergangenheit des Patienten aufbauen, so dass dieser nicht mit allen Erklärungen immer wieder von vorne beginnen muss.
Manche Helfer glauben, dass ein Patient aus (gelenkten) Gesprächen alle Erkenntnisse und Fehler selbst erkennen muss. Der Helfer wird also selbst wenig sagen oder gar erklären. Ein solches Vorgehen kann bei dem Patienten einen gewissen Druck oder Verwirrung auslösen, in schlimmen Fällen gar Verzweiflung, warum die Therapie nicht endlich anschlägt. Erzählt der Patient nur, ohne Lenkung durch den Helfer, kann er sich in Gedankenspiralen verlieren. Hierbei ist diese Therapiemethode dann die falsche für den Patienten, da sie in Frust und Resignation enden kann. Ein solcher Patient benötigt eine aktivere Begleitung mit einem Dialog mit dem Helfer. Ein guter Helfer sollte dies merken und dem Patienten eine entsprechende Rückmeldung geben um gemeinsam daran zu arbeiten. Der Helfer muss in diesem Fall als aktiver Begleiter auftreten und die Arbeit nicht allein beim Patienten belassen. Zuhören kann wichtig sein, doch ohne ein Feedback kann es vielen Patienten schwerfallen zu reflektieren. Eine Sitzung sollte daher nicht zum Selbstläufer werden, sondern gelenkt sein. Hierbei kann der Patient seine Themen wählen, die ihn beschäftigen. Der Helfer kann das Gespräch entsprechend leiten. Ein Helfer sollte auch selbstkritisch herangehen, ob ein Patient überhaupt in der aktuellen Lage ist, Problemlösungen selbstständig zu erkennen und zu bestreiten. Ist diese Methode nicht wirksam, sollte das Vorgehen geändert werden, dass der Patient die bestmögliche Hilfe erhält. Die Gespräche sollten zumindest teilweise lösungsorientiert sein und auf eine Heilung oder Behandlung der Krankheit abzielen. Es sollen nicht nur die Symptome bekämpft werden, sondern auch die Ursache. Oftmals wird Therapie als ein Kampf gegen eine Krankheit gesehen. Jedoch sollte der Fokus auch das Gesamtbild einschließen und somit auch eine Milderung von Symptomen, die das Leben etwas leichter machen können.
Quellen:
Herejk, Andreas. Wie man gute Therapeuten und Berater findet: Was Sie wissen müssen, wenn Sie am Psychomarkt gute Hilfe finden wollen (German Edition). Kindle-Version (2018)
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