PASSENDE HILFE SUCHEN UND FINDEN – DER START

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Passende Hilfe suchen und finden – der Start

Passende Hilfe suchen und finden – der Start

10.06.2022

Allgemein gilt: Der Helfer sollte sich mit der Krankheit des Patienten auskennen und gezielte Hilfe anbieten können. Dies darf man auch gerne im Erstgespräch erfragen und die Erfahrungen des Helfers herausfinden. Eine Therapie nützt nichts, wenn der Helfer für die Krankheit nicht ausgebildet und fähig ist, zu helfen.


Was ist nun ein Qualitätsnachweis für einen Helfer? Ich verwende hier bewusst das Wort Helfer, da wir gesehen haben, dass es mehr als nur Therapeuten gibt. Ist das ein abgeschlossenes Studium? Eine entsprechende Ausbildung? Macht eine Ausbildung einen Helfer immer gleich auch zu einem guten und passenden Helfer? Diese Frage ist nicht einfach zu beantworten. Eine gewisse Berufserfahrung kann hineinspielen. Hält ein älterer Helfer jedoch an verstaubten Methoden fest, die heute nicht passend sind, kann sich das jedoch auch negativ auswirken.

Wichtig ist, dass das Zwischenmenschliche stimmt, dass man ein gutes Gefühl dabei hat, auch wenn man sich gerade an einem gefühlten Tiefpunkt des Lebens befindet. Wenn man mit Abscheu rein geht, sich überhaupt nicht dort wohl oder sogar unverstanden fühlt, sind das deutliche Zeichen, dass man sich nach einem anderen Helfer umschauen sollte. Du fühlst dich bei dem ersten Besuch vermutlich unwohl, bist nervös, es ist neu und fremd. Vielleicht auch unsicher, was alles erwartet wird. Ein guter Helfer, leitet dich durch das Erstgespräch, fragt, was für ihn wichtig ist und wo du in deinem Leben stehst. Ein guter Helfer erzählt auch etwas über sich, seine Behandlungsmethoden und das allgemeine Vorgehen. Natürlich darf man auch Fragen stellen, wenn man etwas nicht versteht oder mehr wissen will. Oftmals muss man das Erstgespräch anschließend erst mal „verdauen“. Also Frage dich gerne auch am Tag danach: wie hast du dich dort gefühlt? War das Gespräch ok, war es ruhig? Oder hast du dich unter Druck gesetzt gefühlt? Wenn du das Gefühl hast, dort kannst du dich fallen lassen, dort bist du, deine Gedanken und deine Gefühle gut aufgehoben, dort kannst vertrauen, sind das sehr gute Anzeichen. Frage dich auch, ob du mit dem, was verlangt wird, wie die Therapiemethode aussehen soll, klar kommst. Gegenanzeichen sind hingegen Beschimpfungen oder eine Verurteilung wegen der Krankheit. Kein seriöser Helfer wird so etwas tun. Die Therapiestunden sind für den Patienten. Er sollte im Mittelpunkt stehen, genauso seine Sorgen, Probleme und Ängste. Redet der Therapeut jedoch nur von sich und stellt den Patienten hintenan, läuft etwas verkehrt. Hier gilt es dann besser weiter zu suchen, auch wenn das Angebot nicht groß oder mit langen Wartezeiten verbunden ist. Nur hinzugehen, damit man einen Helfer hat, wird nicht viel bringen oder kann sich sogar negativ auswirken, da man eine Abscheu vor dem Berufsstand entwickelt. Bitte bedenke auch hier, jeder Helfer ist auch nur ein Mensch und Menschen sind unterschiedlich. Was bei einem nicht klappt, kann bei einem anderen funktionieren.


Ein schlechtes Erstgespräch kann nun erstmal auch einen Rückschlag bedeuten und das in einer Zeit, in dem es dem Patienten gar nicht gut geht. Wichtig ist sich hiervon nicht abschrecken zu lassen. Es kann nützlich sein, direkt 2-3 Termine bei unterschiedlichen Helfern zu vereinbaren, damit man direkt weiß, es gibt noch Alternativen. Darüber hinaus kann man auch ein wenig vergleichen. In einer Zeit, in der einem die ganze Welt grau und trist erscheint, kann das Urteilungsvermögen verschlechtert sein. Steckt man in einer Krise, kann die Wahrnehmung verzerrt sein. Hoffen auf Linderung oder Heilung liegt dicht neben dem Leid. Es kann daher schwer fallen, den Helfer zu beurteilen. Was man wahrnimmt ist da. Man sollte sich aber die Frage stellen, ob die Gewichtung stimmt. Daher kann es auch helfen ein Erstgespräch im Anschluss mit einem vertrauten Menschen zu besprechen und so alles noch einmal zu reflektieren. Was war gut? Was hat mir weniger gut gefallen? Wo würde ich mehr Hilfe wollen? Manche Therapeuten bieten mehrere Erstgespräche an. Hier kann man solchen Fragen nochmal nachgehen, gezielt Fragen stellen. Erst danach muss man sich dafür oder dagegen entscheiden. Eine Suche kann sich daher lang und mühselig gestalten, wichtig ist durchzuhalten und sich eine passende Hilfe zu suchen, auch wenn es zwischenzeitlich hoffnungslos aussehen mag. Hierbei können auch Familie oder Freunde unterstützen, die einem immer wieder den Rücken stärken um weiter zu machen.

Schwierigkeiten können auch äußere Umstände gestalten, wenn man z.B. auf die Hilfe von der Familie angewiesen ist, sei es als Fahrdienst, oder von den Familie Druck ausgeübt wird, dass der erstbeste, der einem nun endlich ein Erstgespräch angeboten hat, genügen muss. Die Übernahme von Fahrtkosten (teilweise auch Taxi) kann z.B. bei der Krankenkasse angefragt werden. Denke immer daran, deine Gefühle sind ernst zu nehmen. Wenn es nicht passt, suche bitte weiter, denn nur so bekommst du eine gute Hilfe, die dir langfristig etwas nützt. Kämpfe auch wenn es noch so schwer aussieht.


Ist ein Patient bereits länger in Behandlung und verspürt keine Wirkung einer Therapie oder Linderung der Symptome, stellt sich die Frage nach der Wirksamkeit der angebotenen Hilfe. Zum einen muss gesagt sein, dass ein Hilfesuchender geduldig sein muss. Eine Therapie ist ein Prozess, der andauern kann. Beschäftigt einen die Frage jedoch, so sollte sie offen angesprochen werden können. Ein Helfer sollte das auch nicht als Kritik verstehen. Er kann zu diesem Zeitpunkt ggf. Fortschritte aufzeigen oder Zwischenziele setzen, so dass auch dem Patienten der Heilungsweg deutlich wird. An dieser Stelle sollte nicht nur der Helfer und seine Methoden hinterfragt werden, sondern auch der Hilfesuchende muss sich selbst hinterfragen: bin ich in allen Themen ehrlich? Bin ich offen die Hilfe anzunehmen oder blocke ich gewisse Bereiche ab? Wenn ja, warum? Sich selbst, das eigene Handeln und Denken zu hinterfragen, kann auch ein Teilaspekt einer Therapie sein, denn oft gewöhnen wir uns unterbewusst Verhaltensweisen an um uns zu schützen. Jedoch kann eine Schutzmauer auch zu einem Hindernis in der persönlichen Entwicklung werden. Stellt man sich in einer Therapie, mit verschiedenen schwierigen Situationen vielleicht besser da als es ist, um zu gefallen, einen Fortschritt zu zeigen und ist dabei evtl. nicht ganz ehrlich? Hat der Patient Angst vor Beschuldigungen, weil die Methode nicht anschlägt? Eine Therapie greift falls notwendig in das gesamte Leben ein, aber zumindest in die komplizierten Lebenssituationen. Das eigene Reflektieren hilft auch, sich selbst besser zu beobachten. Endet eine Diskussion der Wirksamkeit in gegenseitigen Schuldvorwürfen, so wäre zu überlegen die Therapie zu unterbrechen, um sich selbst und das bisherige Vorgehen zu reflektieren. Andererseits kann auch ein Therapeutenwechsel ratsam sein, wenn das therapeutische Verhältnis unwiderrufbar zerrüttet ist. Ebenso kann die gewählte Methode, die falsche für den Patienten sein. Eine Therapie und ihre Wirksamkeit hängt von der Interaktion des Helfers und des Hilfesuchenden ab, es ist ein miteinander, das zusammenpassen muss.


Hat man nun eine Therapie begonnen und Stunden wurden von der Krankenkasse bewilligt, kann es sein, dass man nachträglich feststellt, es passt doch nicht. Das kann verschiedene Gründe haben, der schwerwiegendste dabei ist vermutlich der Vertrauensbruch. Es ist kein Problem eine Therapie abzubrechen, sollte aber gut überlegt sein. Schlechte Helfer versuchen dann an den Patienten zu appellieren, dass sie wo anders von vorne beginnen müssten und sie doch in der Therapie nun schon so weit seien. Oder sie weißen auf die langen Wartezeiten hin und bestürmen den Patienten regelrecht in der Zeit doch besser nicht ohne Therapie zu sein. Dies mag alles zutreffen, aber ein guter Helfer merkt auch, wenn es mit dem Patienten nicht klappt und hilft vielleicht sogar an einen Fachkollegen zu vermitteln. Das sind jedoch eher die Ausnahmen. Ein Therapeutenwechsel ist also nie ein Problem. Man muss dem bisherigen Therapeuten auch keine Gründe nennen, warum man die Therapie dort nicht fortsetzen möchte. Wichtig für einen selbst ist jedoch die Suche nach einem neuen Therapieplatz. Die bewilligten Stunden können sogar mitgenommen werden. Hierzu muss man sich mit der Krankenkasse in Verbindung setzen (z.B. per Mail/ Brief oder Telefonat). Werden die Stunden privat gezahlt, ist das Vorgehen sogar noch problemloser, hierbei ist jedoch darauf zu achten, dass ein gewisses Stundenkontingent nicht im Voraus gezahlt werden muss und das Geld dann weg ist. Solche Methoden gelten allgemein als unseriös.

Werden die Kosten einer Therapie selbst gezahlt, so sind höhere Kosten nicht automatisch ein Qualitätsnachweis. Oftmals kann das Selbst-Zahlen einen zusätzlichen Druck ausüben, da man sich verpflichtet fühlt nun auch hinzugehen. Hierbei ist anzumerken, dass auch bei Kassenstunden eine Verpflichtung besteht hin zu gehen oder frühzeitig abzusagen, da die Stunden sonst auch privat in Rechnung gestellt werden können. Der Druck als Selbstzahler sollte daher nicht höher sein, jedoch kann er so empfunden werden, da man das Geld real aus der eigenen Geldbörse „verschwinden“ sieht. Ein gutes Merkmal kann bei privaten Angeboten ein kostenloses Erstgespräch sein. Diese sind zwar oft kürzer, jedoch zeigt es an, dass der Helfer in erster Linie am Patienten interessiert ist und nicht an dessen Geld. Unseriöse Anbieter können hier sogar eine Art „Abo-Falle“ einbauen, indem eine Summe über mehrere Sitzungen vorab gezahlt werden muss, ohne dass Gespräche stattfanden, ob diese Therapieform überhaupt dem Patienten hilft. Hier kann eine Profitgier des „Helfers“ im Vordergrund stehen und nicht das Wohl des Patienten. Ebenso sollte man bei diesen Verträgen darauf achten, dass bei einem Therapieabbruch keine weiteren Kosten bzw. Stunden, die nicht wahrgenommen werden, in Rechnung gestellt werden.




Quellen:

Herejk, Andreas. Wie man gute Therapeuten und Berater findet: Was Sie wissen müssen, wenn Sie am Psychomarkt gute Hilfe finden wollen (German Edition). Kindle-Version (2018)

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