PASSENDE HILFE SUCHEN UND FINDEN – BLOCKADEN

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Passende Hilfe suchen und finden – Blockaden

Passende Hilfe suchen und finden – Blockaden

10.06.2022

In einer Krise steht der Patient zusätzlich oft in einem geistig-emotionalen Widerspruch. Der „Kampf gegen etwas“ kann daher auch eine gewisse ablehnende Haltung einschließen. Sie kann zur Hürde werden, die unüberwindbar erscheint. Daher kann hier auch eine Umformulierung helfen: Ein Kampf für Heilung oder Besserung. Diese Einstellung kann zusätzlich den Therapiedruck mildern etwas erreichen zu müssen.


Probleme beruhen teilweise auf inneren Blockaden, eine Art Schutzmauer gegen bestimmte Situationen oder Erlebnisse. Diese Blockaden können über einen Zeitraum entstehen oder durch ein einmaliges Ereignis. In der Therapie ist es wichtig den Ursprung dahinter zu erkennen, so dass nicht gegen ein Symptom, z. B. eine Abwehrhaltung, angegangen wird und gegen diese Mauer angerannt wird. Wird diese Mauer auf einen Schlag eingerissen, so kann es sogar zu einem Schockzustand kommen. Ein guter Helfer unterstützt den Patienten, das Problem zu erkennen und eine übertriebene Schutzhaltung zu mildern. Der Patient wird animiert, diese Mauer selbst Stein für Stein abzubauen. Der Stress wird damit gelöst und nicht gefördert. Eine Therapiestunde sollte daher zwanglos sein, jedoch nicht gleichgültig.


Patienten können oft in einer Therapiesitzung stark verwirrt sein. Es werden viele Emotionen oder Erlebnisse heraufbeschworen oder Krisensituationen angesprochen. Der Patient darf daher in Gesprächen immer Klarheit fordern, was der Helfer genau meint. Der Helfer sollte keine abstrakten Begriffe oder Formeln verwenden, sondern erklären können, was er meint und wie seine Methode hier wirken soll. Versteckt sich ein Helfer jedoch hinter kryptischen, wie auswendig gelernten Formulierungen und kann sich selbst nicht erklären, so kann es scheinen, dass er von der Methode oder den Lösungsideen selbst nicht genügend Ahnung hat. Hier darf der Hilfesuchende nachfragen und sollte sich nicht mit wenigen Sätzen abspeisen lassen. Gute Helfer sind geduldig. Für eine Problemlösung kann es wichtig sein mehrere Begleitumstände zu erklären und damit „über den Tellerrand hinaus zu blicken“ um Zusammenhänge zu erkennen. Als Patient ist man oft auf ein Problem oder eine negative Situation fokussiert, als ob man Scheuklappen trägt. Weitere Faktoren rundum können dadurch vergessen werden. Durch Nachfragen kann ein Helfer dazu bewegen die Sichtweise zu ändern und damit ein Bild zu vervollständigen oder helfende Aspekte zu finden.

Eine Therapie zu beginnen, zeigt erst einmal, dass die Akzeptanz eines gesundheitlichen Problems vorliegt. Zur Lösung des Problems wird eine Fremdhilfe benötigt. Dabei darf jedoch keine Abhängigkeit zu dieser Fremdhilfe entstehen. Es sollen vielmehr neue Verhaltens- und Denkmuster gefördert werden, die die eigene Resilienz steigern. Es ist also vielmehr ein unterstützender Prozess von außen. Oftmals ist die Hilfe zeitlich begrenzt. Ist die unterstützende Phase beendet, so soll eine Selbstständigkeit im Umgang mit Problemen erreicht sein. Der Änderungsprozess des Patienten muss mit dem Ende der Therapie nicht zwingend abgeschlossen sein, denn das Leben bietet immer wieder neue Situationen, auf die man sich einstellen muss. Vielmehr soll der Patient eigenständig in der Lage sein, auf solche Situationen zu reagieren, dass er damit klar kommt. Eine Therapie ist damit die Anleitung der Hilfe zur Selbsthilfe. Ein Helfer führt während des gemeinsamen Wegs den Patienten in die Eigenverantwortlichkeit und Autonomie. Der Helfer lernt den Patienten sich selbst zu helfen.


Gespräche in einer Therapie können auch schwierige Themen beinhalte. Der Helfer, aber auch der Hilfesuchende, müssen beide ein Problem bis in den Kern verstehen, damit man es vollständig beseitigen kann. Hierbei kann ein Faktor sein, dass Opfer erkennen, dass sie keine Schuld an einem Vorfall tragen. Dies kann ein langer Weg sein, auf dem der Helfer das Opfer begleitet. Ein Patient muss demnach aus der Opferrolle herauskommen, die sich vielleicht auch als „negative Komfortzone“ ausgebildet hat. Ein Helfer sollte diese Opferrolle nicht verstärken, sondern helfen aus ihr heraus zu kommen, wieder vertrauen zu fassen und freudvoller ins Leben zu gehen. Der Patient muss die Ereignisse der Vergangenheit neu begreifen lernen, damit eine Entwicklung im Jetzt eintreten kann. Dadurch ergibt sich ein neuer Blickwinkel im Jetzt auf Interaktionen und kann zu einer Verhaltenssicherheit und Stabilität führen. Manche Menschen können auch nach jahrelanger Therapie immer noch Probleme mit Emotionen haben, z.B. Angst. Ein Helfer möchte hier schrittweise auf Situationen eingehen und aufzeigen, dass die Angst unbegründet ist. Der Patient muss dies erkennen und sich an das neue Gefühl gewöhnen. Teils wird hier auch eine Konfrontation gefordert. Der Helfer sollte hier jedoch den Patienten fordern und fördern, jedoch nicht überfordern. Und auch bei einer entwickelten Angst ist es wichtig zu erkennen, warum der Patient diese Angst verspürt, die Wurzel dieser Angst zu finden. Wichtig ist ebenfalls, dass Themen in einer Therapie nicht tabuisiert werden. Patienten können manche Themen sehr unangenehm sein, insbesondere wenn ein persönliches Schuldeingeständnis oder Versagen beteiligt ist, z.B. bei Rückfällen eines Suchtverhaltens oder Themen, die die Sexualität betreffen. Geht ein Helfer nur oberflächlich darauf oder entwickelt sich bei ihm selbst hier ein Schamgefühl, so sollte angedacht werden, den Helfer zu wechseln, da er für diese Problematik der falsche Ansprechpartner ist. Solche Erfahrungen und durchleben von schwierigen Situationen können dem Patienten viel abverlangen. Daher ist es wichtig, dass ein Helfer entsprechend darauf vorbereitet und schrittweise an das Problem herantritt. Ebenso sollte es immer eine Nachbereitung geben, die dem Patienten zeigt, dass auch nach dem konfrontierenden Ereignis für sein Wohl gesorgt wird und die Anspannung abgebaut werden kann.




Quellen:

Herejk, Andreas. Wie man gute Therapeuten und Berater findet: Was Sie wissen müssen, wenn Sie am Psychomarkt gute Hilfe finden wollen (German Edition). Kindle-Version (2018)

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