Psychische Probleme sind nicht nur „Theorien im Kopf“ oder ein „falsches Denken“. Sie bestimmen und beeinträchtigen das tägliche Leben. Sie führen zu Handlungen. Die Probleme können so stark werden, dass sie das tägliche Leben bestimmen. In der heutigen Gesellschaft ist es leider nach wie vor schwierig auf Menschen mit einem entsprechenden Verständnis zu treffen. Viele haben in der leistungsgeprägten Gesellschaft selbst Probleme damit mitzuhalten und schaffen es nicht, zusätzlich andere mit aufzufangen. Menschen mit psychischen Problemen sind nicht schwach, sie sind krank – ein Umdenken, das nur sehr langsam in Köpfen stattfindet. Manchmal werden die Probleme auch als Aufmerksamkeit abgetan, weshalb viele beginnen, sich selbst zu verstecken. Das führt wieder zu Angst oder Wut auf Mitmenschen, die die Krankheit nicht sehen und damit nicht verstehen können. Ein gebrochenes Bein sieht jeder. Die Gewitterwolke im Kopf jedoch nicht. Wut und Ängste können sich weiter verschärfen bis sie im schlimmsten Fall zu einer gesellschaftlichen Isolation führen. Um das alles zu verstehen, muss sich das allgemeine Bewusstsein der Gesellschaft weiter entwickeln. Es braucht Aufklärung damit die Tabu-Themen Schritt für Schritt beseitigt werden können. Jedoch hat uns die Vergangenheit gelehrt, dass etwas, was unmöglich erscheint, eintreten kann (z.B. Abschaffung der Sklaverei mit einem sehr langen Weg bis zur Gleichberechtigung, Wahlrechte für Frauen, Gleichberechtigung für gleichgeschlechtlich lebende Paare). Es braucht jedoch auch Kämpfer an dieser Stelle, die das Ungleichgewicht beseitigen möchten. Jeder der sich seinen Problemen stellt, ist ein Kämpfer.
Psychische Krankheiten sind keine falschen Vorstellungen, es sind ernst zu nehmende Probleme und können daher die Hilfe von Psychotherapeuten erfordern. Einige hier kennen diese Suche bereits, andere fragen sich, wo man am besten anfängt. Hier sollen einige Informationen dazu zusammentragen werden: wie findet man Hilfe, wo fängt man an, welche Möglichkeiten gibt es und worauf sollte man achten?
Sich Hilfe zu suchen, kann erst mal eine große Hürde sein. Man muss sich selbst eingestehen, dass man diese professionelle Hilfe braucht, dass man gerade im Leben nicht mehr zu Recht kommt. Aber das ist kein Zeugnis von Schwäche, es zeigt eine innere Stärke, einen Selbstwert, weil man sich um sich selbst kümmert. Bedenke immer, auch psychische Krankheiten sind eine Krankheit und können daher behandelt werden. Wie diese Behandlung aussieht, ist oft ein individueller Faktor. Zusätzlich steht man vor dem Ereignis, dass man einer fremden Person die tiefsten Ängste und Geheimnisse erzählen will, das kostet Überwindung. Daher ist es wichtig, dass man sich bei der helfenden Person wohlfühlt und Vertrauen fassen kann.
Abschreckend können dann die langen Wartezeiten wirken, das „schlechte Image“, das eine Therapie heute leider immer noch hat. Am besten wäre, es würde niemand erfahren, da man in der Gesellschaft schnell geächtet wird. Nach wie vor leider ein kompliziertes Thema. Themen wie Therapeutenmangel und lange Wartezeiten können zusätzlich verunsichern. Insbesondere kann ein Klinikaufenthalt hemmen, da es immer wieder negative Berichte über die Zustände dort gibt. Dabei ist zu unterscheiden, ob es sich um eine Krisenintervention handelt, also eine zwanghafte Unterbringung, wenn eine Selbst- oder Fremdgefährdung vorliegt, oder ob es ein geplanter Aufenthalt ist. Eine Krisenintervention dient lediglich der Überwachung, dass nichts passiert. Daher werden oft auch ruhig stellende Medikamente gegeben. Ist der Patient nach wenigen Tagen soweit stabil, dass die Selbst- oder Fremdgefährdung glaubhaft ausgeschlossen werden kann, wird der Patient auch wieder entlassen. Nur in seltenen Fällen geschieht eine Übernahme in eine offene Station und eine längerfristige Behandlung. Denn auch in Kliniken gibt es Wartelisten.
Die eigentliche Suche nach Hilfe kann beim Hausarzt starten. Der Hausarzt wird erst einmal eine Untersuchung durchführen, ob nicht auch körperliche Erkrankungen vorliegen. Denn Symptome können dabei ähnlich sein, wie z.B. bei Vitaminmangel oder Probleme mit der Schilddrüse. Er kann unterstützen mit Adressen und Ansprechpartnern, insbesondere wenn es auch um eine Vermittlung an einen Psychiater geht. Auch dort sind Termine leider mit Wartezeiten verbunden. Schaltet sich der Hausarzt ein, kann es auch mal schneller gehen. Außerdem kann der Hausarzt Überweisungen ausstellen. Diese werden manchmal benötigt.
Wie sucht man nun? Es gibt verschiedene Möglichkeiten: Neben Hausarzt und Psychiater, gibt es auch diverse Online-Seiten, die bei der Suche helfen können. Ebenso kann man von der Krankenkasse problemlos eine Liste anfordern. Bei diesen ist man sicher, dass die Krankenkasse die Kosten auch übernimmt (gilt nur für Deutschland). Zusätzlich kann man natürlich auch das Internet durchforsten. Hierbei trifft man auf verschiedene Bezeichnung:
Psychiater sind Mediziner. Sie führen wenn meist nur kurze Gespräche. Ein Psychiater kann (ebenso wie der Hausarzt) Medikamente verschreiben, ist jedoch auf psychische Krankheiten spezialisiert (im Gegensatz zum Hausarzt, der oft Allgemeinmediziner ist). Bei einem Psychiater kann man daher auch gut Fragen zu Medikamenten anbringen und Rücksprachen halten, insbesondere bei Fragen zu Wirkung und auch Nebenwirkungen. Psychopharmaka greifen oft in den Hormonhaushalt des Gehirns ein. Daher kann es zu Beginn zu Nebenwirkungen kommen, die sich jedoch nach wenigen Wochen legen sollten. Psychiater verschreiben oft Medikamente, die bei vielen Patienten positiv ansprechen. Eine Garantie gibt es jedoch nicht, dass dieses Medikament auch bei dir gut wirkt. Daher kann es sein, dass ein Patient auch verschiedene Präparate testen muss, bis er das passende für sich findet. Das ist ein beschwerlicher Weg. Wichtig ist hier nicht aufzugeben oder dem Psychiater die Schuld geben, er handelt nach bestem Wissen. Wichtiger ist in Kontakt zu bleiben und sich zu melden, wenn die Nebenwirkungen zu unangenehm sind und mit dem Arzt reden. Mediziner unterliegen der ärztlichen Schweigepflicht.
Psychotherapeuten haben meist Soziologie, Pädagogik oder Psychologie studiert und anschließend eine zusätzliche therapeutische Ausbildung abgeschlossen. Therapeuten führen meist Gesprächstherapien. Hierbei gibt es verschiedene Ausrichtungen, worunter Verhaltenstherapie und tiefenpsychologische Ansätze am Häufigsten vertreten sind. Welche Therapieform zu einem passt, kann man in Erstgesprächen erfragen. Ansonsten gilt hier auch einfach das Ausprobieren. Bei einer Therapie werden oft Therapieverträge abgeschlossenen, in denen auch Behandlungsziele definiert werden. Zusätzlich kann auch ein „Kein-Suizid-Vertrag“ verhandelt werden, indem der Patient dem Therapeuten bestätigt, keinen Suizid zu begehen. Therapiestunden werden meist in Blöcken bei der Krankenkasse beantragt und können auch bis zu einem gewissen Kontingent verlängert werden. Einzelheiten werden mit dem jeweiligen Therapeut besprochen. Hat der Therapeut eine Kassenzulassung werden die Kosten von der Krankenkasse übernommen (gilt für Deutschland). Therapeuten unterliegen der ärztlichen Schweigepflicht.
Daneben gibt es auch private Psychotherapeuten oder so genannte Life Coaches, Lebensberater oder Mentoren. Das können Psychotherapeuten sein, die keine Kassenzulassung haben. Üblicherweise müssen diese Kosten selbst getragen werden. Je nach Wohnort können das 60 bis 120 € pro 45 min sein. Findet man keinen Platz bei einem Kassen-Therapeuten, so kann bei der Krankenkasse eine Kostenübernahme angefragt werden. Die Bewilligung wird im Einzelfall entschieden. Der Begriff Mentor oder Life Coach ist jedoch nicht geschützt und jeder darf sich diese Berufsbezeichnung geben. Daher bleibt auch hier zu prüfen, ob der Helfer die entsprechende Hilfe überhaupt anbieten kann.
Zusätzlich gibt es auch therapeutisch arbeitende Mediziner.
Zusätzlich findet man oft Angebote wie Reittherapie, Ergotherapie, Maltherapie, etc. Solche Bezeichnungen und auch der Beruf Reittherapeut ist kein staatlich anerkannter Ausbildungsberuf. Der Helfer sollte zumindest eine Ausbildung in dem Bereich (Pädagogik, Sozialpädagoge, Erzieher, Heilpädagoge, etc.) haben um vertrauenswürdig zu sein. Jedoch kann sich auch ein Pferdewirt so bezeichnen und das Therapieangebot anbieten. Die Qualität hängt damit von der Ausbildung des Anbieters ab. Einen Qualitätsnachweis kann über entsprechende Weiterbildungen geführt werden. Diese darf man auch anfragen. Gerade solche Leistungen werden oft nicht von der Krankenkasse übernommen, sondern müssen selbst gezahlt werden. Ein wissenschaftlicher Beweis, dass diese Therapie im Allgemeinen anschlägt, liegt nicht vor. Daher lehnen Krankenkassen oftmals die Übernahme ab. Im Einzelfall kann dies vorkommen, jedoch geht davon die Grundlage der Krankenkassen nicht aus. Hier sollte man daher genau prüfen, wem man sein Geld gibt.
Der Beruf des Heilpraktikers ist eine Ausbildung und kann zwischen 6 Monaten und 3 Jahren dauern. Der psychologische Anteil kann hier im Rahmen einer Ausbildung mit abgedeckt werden, muss jedoch nicht. Hier gilt das gleiche wie bei anderen Therapieformen, die nicht von der Krankenkasse übernommen werden, zu prüfen, ob eine entsprechende Qualifikation vorliegt.
Seelsorger gibt es im gläubigen Kontext, z.B. als Priester. Es können auch weitere kirchliche Freiwillige als Zuhörer fungieren. Priester unterliegen dem Beichtgeheimnis, d. h. die Gespräche werden vertraulich behandelt. Gespräche sind üblicherweise kostenlos, jedoch in einem weniger häufigen Turnus, da ein Priester meist eine sehr große Gemeinde mit allen anfallenden Arbeiten abdecken muss. Ob eine religiöse oder spirituelle Hilfe das Richtige ist, muss jeder Hilfesuchende für sich selbst entscheiden. Der Glaube an etwas Höheres kann Menschen helfen und damit eine natürliche Ressource sein. Sollte man als nicht- oder wenig-gläubiger Mensch eine solche Hilfe aufsuchen, muss man sich zum einen auf die religiösen Rahmenbedingungen einlassen, zum anderen sollte man sich aber nicht in eine Weltanschauung drängen lassen, die der eigenen nicht entspricht.
„Alternative Methoden“ können teilweise vom Alltag unabhängig sein. Wochenendseminare können für einen kurzen Moment helfen, da der Alltag ausgehebelt wird. Meist dienen sie jedoch keinem langfristigen Ziel, da in kurzer Zeit kaum ein komplettes Umdenken und Lösen der Probleme stattfinden kann. Die Probleme eines Patienten ergeben sich aus dessen Leben. Eine langfristig funktionierende Hilfe muss dies also berücksichtigen. Daher kann nach Klinikaufenthalten auch eine ambulante Therapie empfehlenswert sein, damit der Patient Stabilität behält und nicht in alte Verhaltensmuster zurückfällt. Zu den alternativen Methoden können auch so genannte Human-Energetiker, Hypnosetherapeuten, NLP-Anbieter, Familiensteller, Klopftechniker, Reiki-Meister, Hellseher, mediale Helfer oder Wahrsager zählen. Diese Berufsbezeichnungen gerade im spirituellen Bereich erfordern keinen Berufsnachweis und können frei von jedermann gewählt und angeboten werden. Ob es jemandem hilft, hängt daher sehr von der Eigeninitiative und Weiterbildung des Anbieters ab. Teilweise sind die sogenannten Qualifikationen fragwürdig. Bei entsprechenden Anbietern gilt es daher die Kompetenz zu prüfen. Zusätzlich ist hier immer von Selbstzahlung auszugehen. Diese Methoden stehen der klassischen Medizin gegenüber. Vorsicht ist anzuraten, wenn ein Helfer blind seiner Methode vertraut und einen wahren Kult darum führt. Einfühlungsvermögen auf die individuellen Bedürfnisse des Patienten kann hier mangelnd sein. Gerade unsichere Hilfesuchende können hier vorschnell von Wirksamkeitsversprechen oder Glaubenssprüchen eingefangen werden. Es darf durchaus offen an solche Themen angegangen werden, jedoch sollte der Einzelfall auch kritisch hinterfragt werden können. Alternative Methoden werden üblicherweise nicht von der Krankenkasse übernommen, jedoch können auch hier positive Ergebnisse erzielt werden. Teilweise gibt es auch Zusammenarbeiten. Seriöse Anbieter klären hier gerne auf. Wichtig ist zu prüfen, hier nicht i eine Vorkasse- oder Abo-Falle zu geraten.
Weitere oft kostenfreie Angebote sind Selbsthilfegruppen. Die können neben caritativen Trägern auch Angebote der Stadt sein, weshalb man sie oft auf dem Internetportal der Stadt oder auch in entsprechender Wochenpost findet. Selbsthilfegruppen gibt es zu sehr verschiedenen Krankheitsbildern, aber auch für Angehörige. Organisation und Leitung können hier unterschiedlich ausfallen. Oft wird eine Kontaktperson benannt, an die man sich bei Fragen wenden kann.
Es gibt viele verschiedene Online-Angebote. Vorteil ist hier, dass der Patient nicht die eigene Wohnung verlassen muss, was bereits ein starkes Hindernis sein kann. Online-Angebote können mit Kosten verbunden sein. Hier gilt es im Zweifelsfall auch eine „Abo-Falle“ im Vorfeld zu prüfen. Des Weiteren ist darauf zu achten, wie das Angebot aussieht. Dies kann von Selbsthilfegruppen bis zur professionellen Therapie reichen. Hier gilt es selbst abzuschätzen, was einem gut tut und welche Hilfe man sucht. Ähnlich wie bei alternativen Methoden ist hier selbst die Qualifikation des Helfers zu prüfen. Wichtig ist auch, dass online viel von Bloggern, Betroffenen oder Fachpersonen in Internetportalen oder Foren veröffentlicht werden kann. Vieles vertritt die eigene Meinung oder Erfahrung einer einzelnen Person oder wird nicht von anderen gegengeprüft. Werden z.B. wissenschaftliche Quellen bzw. Literatur benannt, wirkt es bereits seriöser. Dies soll auch nicht die eigenen Erfahrungen eines Verfassers schmälern, nur leider ist online heutzutage so ziemlich alles zu finden. Symptome online zu suchen, kann manchmal mehr Ängste schüren als aufklären. Daher sollte auch hier die Qualität eines Beitrags durchaus geprüft werden und nicht alles direkt geglaubt werden.
Fachliteratur gibt es viele. Wer sich hier welche Unterstützung sucht und nutzen kann, ist jedem selbst überlassen. Es ist dabei gut zu beachten, dass der Text so geschrieben ist, dass er für den Hilfesuchenden verständlich ist und nicht mehr verwirrt als hilft. Dabei gibt es sowohl Fachliteratur, die über Krankheiten aufklären kann, als auch Selbsthilfebücher mit kleinen Anleitungen im Umgang für den Alltag.
Quellen:
Herejk, Andreas. Wie man gute Therapeuten und Berater findet: Was Sie wissen müssen, wenn Sie am Psychomarkt gute Hilfe finden wollen (German Edition). Kindle-Version (2018)
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