LERNEN LERNEN – 3 – LERNMOTIVATION

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Lernen lernen – 3 – Lernmotivation

Lernen lernen – 3 – Lernmotivation

03.07.2022

Kein Lernen geschieht ohne eine Motivation. Der Sinn Dinge zu entdecken, Neues zu Lernen und uns weiter zu entwickeln, ist uns angeboren. Bereits als Baby erkunden wir die Welt, ohne ein Verständnis dafür zu haben, sondern weil die innere Motivation, die Entwicklung, uns vorantreibt. Besonders bei Kleinkindern kann diese Motivation besonders gut beobachtet werden: sie möchten laufen lernen, sprechen, Fahrradfahren, Lesen und Schreiben… Kleinkinder lernen normalerweise intrinsisch. Die meisten Kinder sind daher bei der Einschulung hochmotiviert. Leider nimmt diese Motivation mit dem Älter werden ab. Daran kann teilweise das Schulsystem zu einem Mangel an Lernmotivation beitragen, muss jedoch nicht. Es gibt weitere Faktoren, die unsere Motivation bremsen können (siehe hierzu auch unser Beitrag zur Selbstmotivation). Ältere Kinder, Jugendliche oder Erwachsene lernen wir hingegen oftmals extrinsisch, da wir etwas davon erwachten oder vermeiden möchten.

 

Was ist jedoch Motivation? Lernmotivation ist die Motivation, also der Antrieb, neue Dinge zu lernen. Unsere Motivation muss in Einklang mit unseren Zielen stehen, damit sie für uns einen Sinn ergibt. Dann ist die Motivation recht schnell gefunden. Ergibt das Lernen jedoch keinen Sinn, ist ein hohes Maß an Selbstdisziplin notwendig um trotzdem voran zu kommen. Motivation muss auch emotional in uns verfügbar sein. Das kann eine realistische Vorstellung eines Projekts sein, das in kleine Teile heruntergebrochen wird, womit jedes Einzelteil zu bewältigen wird. Der Weg zum Ziel führt über Teilerfolge, die jeweils eine innere Veränderung mit sich bringen. Jede Etappe zum Ziel kostet Aufwand, Zeit, Geld, ggf. auch Geld. Wir merken also, ein Ziel zu erreichen ist nicht gratis, man muss etwas investieren um es zu erreichen. Hierbei können Strategien und realistische Planungen helfen, sich selbst nicht zu überfordern. Ebenso wie Puffer sollten feste Lerntermine eingeplant werden. Dazu kann es auch nützlich sein, sich diese Termine im Kalender fest zu blocken um sie einzuhalten und ihnen eine gewisse Priorität einzuräumen.

 

Lernmotivation ist sehr wichtig für den Lernerfolg. Wer Spaß am Lernen hat, lernt einfacher. Lernen mit Widerwillen braucht viel Selbstdisziplin und damit deutlich mehr Kraft. Zusätzlich bleibt das Gelernte schlechter hängen. Hilfreich kann es sein, sich vor dem Lernen in einen emotional entspannten und positiven (oder zumindest neutralen) Zustand zu bringen. Entspannt lässt es sich einfacher an eine Aufgabe rangehen.

 

Motivation beinhaltet sich Ziele zu setzen und diese zu verfolgen. Das Ziel zu erreichen hängt dabei nicht nur vom Vorhaben und vom Plan ab, sondern auch von tiefer liegenden Emotionen, dem Wunsch etwas wirklich zu wollen. Diese Emotionen können uns antreiben. Sie können uns umgekehrt aber auch komplett hemmen oder blockieren, wenn sie negativ ausfallen. Ein Ziel nur rational zu verfolgen, ohne Leidenschaft oder Begeisterung reicht meist langfristig nicht aus. Und das kostet jedes Mal viel Energie und Selbstdisziplin. Diese Energie ist wie ein Sprint. Das langfristige Ziel jedoch ein Marathon. Wir können keinen kompletten Marathon sprinten. Es fehlt also an der Energie fürs Durchhalten. Es reicht nicht nur lernwillig zu sein, sondern der innere Forscherdran muss geweckt werden um motiviert agieren zu können. Der Wissensgewinn muss einen Sinn ergeben.

 

Lernmotivation kann man innere und äußere Lernmotivation unterteilt werden. Die innere (oder intrinsische) Lernmotivation ist der eigene Antrieb, so zusagen das eigene Wollen, um Dinge zu wissen, Neues zu erlernen. Das Lernen macht Spaß. Dies ist die beste Motivation. Das Tun macht Freude und damit ein gutes Gefühl, das wir wiederholen wollen. Die Lernmotivation ist also deutlich höher, wenn man selbst bestimmen kann, was man lernen möchte, da man ein wirkliches Interesse daran hat. Das sieht man z.B. an handwerklichen oder sportlichen Hobbies, bei denen man sich Schritt für Schritt verbessert.

 

Dem gegenüber steht die äußere (oder extrinsische) Lernmotivation, die zumeist mit einer Art Belohnung von anderen einhergeht. Sie gibt gerade so viel Motivation um jetzt etwas zu tun um in Zukunft ein positives Ereignis zu haben. Wir strengen uns also an, weil wir ein positives Folgeereignis erwarten. Das können gute Noten, ein Pokal oder ein erhöhtes Taschengeld für eine besondere Leistung sein. Man lernt also nicht um des Lernens Willen, um sich zu bilden oder Wissen anzueignen, sondern um etwas zu erreichen. Diese Haltung hat man meistens und ist nichts schlechtes, jedoch kann die Motivation bei Rückschlägen stark schwanken. Äußere Lernmotivation kann aber auch eine langweilige Pflichtlektüre sein. Hier wäre wohl maximal eine gute Note ein äußerer Anreiz. Stimmen diese Inhalte nicht mit den eigenen Emotionen überein, können Fragen aufkommen wie: warum muss ich das überhaupt lernen? Wir stellen also das Projekt in Frage. Ebenso kann man sich nun fragen: Was fühle ich dabei? Und hier können schnell negative Emotionen aufkommen. Bessere Fragen wären: was kann mir dieses Projekt bieten? Was bringt es für mein Leben? Wie kann ich die Pflichtlektüre mit meinem Leben verbinden? Wir versuchen also dem Projekt einen Sinn zu geben. Manchmal ist dieser gar nicht so einfach zu finden. Man sollte also nicht nur an den Moment denken, sondern auch versuchen, die Zukunft zu sehen. Soll ein bestimmtes Studium angestrebt werden? Vielleicht ist der Buchinhalt nicht relevant, aber zumindest die gute Note im Abi. Dann wäre die Motivation zumindest eine gute Note zu bekommen, nicht weil das Buch plötzlich toll ist, sondern wie die Note die eigene Zukunft beschreibt. Das macht die Lektüre nicht interessanter, aber man verbindet das Lesen mit einem positiven Zweck. Zusätzlich kann man versuchen das Ziel zu visualisieren, was das positive Denken zusätzlich anregt: die Arbeit mit einer guten Note, das geschaffte Abitur oder vielleicht sogar die Zulassung zur Lieblingsuni in Händen zu halten. Diese positiven Gedanken geben positive Energie für die Lernmotivation.

 

Im schlimmsten Fall kann eine äußere Motivation auch eine Vermeidemotivation sein, um ein negatives Folgeereignis zu verhindern, z.B. ein Sitzenbleiben in der Schule oder Strafen. Die Vermeidemotivation bietet keine Motivation Wissen aufzunehmen, sondern lediglich so viel wie ausreicht um eine Konsequenz zu vermeiden. Sie ist das Minimalprogramm. Sie schützt vor peinlichen Situationen, wie z.B. dem Sitzenbleiben. Unterbewusst löst sie damit aber Stress aus, der sich wiederum negativ auf das Lernen auswirkt.

 

Beiden zugrunde liegt die Selbstmotivation, wobei diese bei der inneren Motivation ausgeprägter ist. Liegt eine hohe Selbstmotivation und eine innere Lernmotivation vor, so kann diese Kombination einen langfristigen Lernerfolg erzielen. Belohnungen können helfen, die Selbstmotivation anzutreiben, wobei gleichzeitig Lernerfolge erzielt werden können. Lernerfolge, also das positive Feedback von außen, dass das Lernen gut klappt (z. B. durch gute Noten, ein Lob oder eine berufliche Beförderung) bringt automatisch weitere positive Energie, die die Selbstmotivation antreibt. Der Erfolg und der Wille weiter zu machen füttern sich quasi von selbst. Möchte man sich zu Beginn mit kleinen Belohnungen selbst (oder andere) motivieren, so sollte die Belohnung nicht zu abstrakt sein und nicht in zu weit entfernter Zukunft liegen.

 

Motivation ist demnach die Energie, die wir zum Lernen brauchen. Um motiviert an eine Sacher heranzugehen und die Motivation auch beizubehalten, sollte der Lernstoff in kleine Ziele aufgeteilt bzw. gruppiert werden. Ebenfalls sollte pro Lernetappe ein Endziel und ein Zieldatum festgelegt werden. Mit diesen kleinen Lernetappen geht es dann schrittweise zum Lernziel. Zusätzlich lassen sich die Lernetappen abhaken und somit kleine Zwischenziele erreichen. Den Lernfortschritt aufzuzeichnen kann ebenfalls motivierend wirken: das alles habe ich schon geschafft, jetzt schaffe ich den Rest auch noch.

 

Jede Lernmotivation, jede Weiterbildung, hat ein Lernziel inne. Es ist immer wieder hilfreich sich das Lernziel vorzustellen, zu visualisieren. Das kann ein Bild im Kopf oder am Schreibtisch sein. Das Visualisieren zusätzlich mit positiven Gedanken des Könnens und Erreichens kombiniert, gibt und entsprechend positive Emotionen, die uns beim Lernen unterstützen. Positives Denken, wird vom dem Glauben an sich selbst angetrieben, dass man etwas erreichen kann, dass man Erfolg haben kann (wobei Erfolg z.B. auch ein 5 in Mathe sein kann, statt einer 5), dass man allgemein eine Aufgabe bewältigen kann. Das Visualisieren gilt natürlich auch für Zwischenziele.

 

Beim Lernen geht es immer um uns selbst, das eigene Ziel und wie man es am besten erreichen kann. Daher kann ein selbstbestimmtes Lernen eine gute Stütze sein um den Lernerfolg sicherzustellen. Hierzu sollte jeder Lernende auch ein Lernsystem nutzen, das zu einem passt. Verständnis und Sinn beim Lernen helfen weiter. Ein „Bulimie“-Lernen, also viele Infos in kurzer Zeit vor der Prüfung, kann vielleicht durch die Prüfung retten, ist jedoch langfristig weder effektiv noch effizient, da die Informationen langfristig nicht abgespeichert werden.

 

Spürt man einen starken Lernwiderstand, sucht vergeblich die Motivation für diese Aufgabe, so kann es hilfreich sein, sich erst einmal mit einer anderen Aufgabe zu beschäftigen. Ist die erfolgreich erledigt, kann es einen Anschub für die Aufgabe zuvor geben.

 

Ein weiterer Motivator kann sein, anderen von den Zielen zu erzählen. Das kann unterschiedlichen Ansporn geben. Zum einen möchte man vor anderen ungern versagen oder sie enttäuschen. Zum anderen können uns andere immer wieder zum Weitermachen motivieren, nachfragen wie es läuft und uns in schwierigen Phasen unterstützen.

 

Positive Gewohnheiten, also Dinge, die man immer wieder auf die gleiche Weise macht, unterstützen ebenfalls die Lernmotivation. Fällt es z.B. schwer mit dem Lernen zu beginnen, aber man genießt nach dem Essen immer erst einmal eine Tasse Tee, so kann beides miteinander verknüpft werden. Die positive Erfahrung des Tees und das Auspacken des Lernmaterials können so zu einer neuen Gewohnheit werden, die den Einstieg in das Lernen erleichtert. Ebenfalls können Lernroutinen helfen. Ein weiterer wichtiger Faktor ist auch die Schlafhygiene, also ein regelmäßiges zu Bettgehen und Aufstehen, mit ausreichend Schlaf.

 

 

 

Quellen

Freudenthal, Tom. Digitales Lernen?: Wie du mit der richtigen Lernstrategie neues Wissen aufbaust schneller, hochmotiviert und nachhaltig (German Edition). Remote Verlag. Kindle-Version.

Herget, Annabel. Grundschultricks – Spielerisch lernen mit deinem Kind: Spannende Ideen und Anleitungen für den Alltag (Inkl. 20 Lernspiele für Mathe & Deutsch + 60 Tricks, ... für die Grundschule) (German Edition). Kindle-Version.

Janson, Simone. eLearning - Virtuell Eigenständig Lernen: Digitales Gedächtnistraining, Erinnerungsvermögen schulen, Selbstmotivation & Ziele erreichen, Anti-Stress-Konzept Online-Weiterbildung (German Edition). Kindle-Version.

Meißner, Jessica. Lernen zu lernen: Erfolgreich durch die Schule, das Studium und das Leben mit Tricks vom Klassenstreber (German Edition). Kindle-Version.

Pantero, Paul. Motivation für Schule und Studium (German Edition). Kindle-Version.

Brandt, Matthias. ERFOLG IN DER SCHULE - Bestnote auf Knopfdruck: Wie Du mit Hilfe effektiver Lerntechniken & klugem Zeitmanagement Deine Konzentration steigerst und Schritt ... zum Einserschüler wirst (German Edition). Kindle-Version.

Fiorentini, Alessandro. Lerntechniken: Wie man fortgeschrittene Lernstrategien einsetzt, um schneller zu lernen, sich mehr zu erinnern und produktiver zu sein (German Edition). Kindle-Version.


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