Wir senden über unsere Körpersprache viele Signale aus. Das beginnt bei der Körperhaltung: wie sitzt oder steht man? Wie ist der Händedruck zur Begrüßung? Ein kleines Kopfnicken, wenn man einem Gespräch folgt und zeigt, dass man zuhört. Gesten, die wir oft unbewusst einnehmen, ist das Spiel der Hände, mit einem Stift, ein Blatt Papier oder auch mit einer Haarsträhne oder der Kleidung. Dies passiert oft, wenn wir unruhig oder nervös sind, kann aber auch ein Anzeichen von Langeweile sein.
Wir nehmen große Bewegungen der Körpersprache, z.B. mit Armen und Händen, schneller und besser wahr. Kleinste Bewegungen laufen dagegen oft unterbewusst ab. Sie sind die Dinge, wenn man später sagt: ich spüre da etwas, oder da ist etwas was mir vertrauen oder misstrauen gibt, ich kann es nur gerade nicht benennen. Wir nehmen vieles wahr ohne uns direkt darüber bewusst zu sein. Trotzdem ergeben sich für uns daraus ein Gesamtbild und ein Gesamteindruck und daraus ein persönliches ehrliches Empfinden. Wer sich hier etwas trainiert und ein besserer Beobachter wird, dem werden auch die kleinen Signale bewusster. Leider senden wir auch oft unbewusst falsche Körpersignale, wodurch andere verschreckt oder abgestoßen werden können. Oder wir teilen auch unbewusst Dinge mit, die wir eigentlich geheim halten wollten. Die Körpersprache kann demnach auch Signale senden, die die gesprochene Sprache verschweigt. Sie senden einen Reiz und erzeugt beim Gegenüber eine Reaktion. Das kann vorteilhaft sein, wenn es erleichtert ein schwieriges Thema anzusprechen, oder auch von Nachteil, wenn wir unbewusst etwas senden, das der Gesprächspartner nicht wissen soll.
Wird die Körpersprache nur teilweise beherrscht und daher nur punktuell gezielt eingesetzt, kann das Verhalten unecht wirken. Es ist in sich mit der restlichen Situation nicht stimmig, so als ob ein Schauspieler immer wieder kurz aus seiner Rolle fällt. Das Verhalten kann unehrlich wirken und Misstrauen erwecken, an Stellen, wo man doch Vertrauen schaffen wollte.
Wir können aber auch ganz bewusst Signale aussenden. Jeder kennt die Situation in der Schule, wenn man nicht aufpasst und vor sich hin träumt und dann der Lehrer den Blick auf einen richtet und es in der Klasse still wird und einen alle anstarren, bis man selbst aus der Traumwelt aufwacht und merkt, dass man selbst Mittelpunkt des Geschehens ist. Dann wünscht man sich nur noch das berühmte Loch im Boden um darin zu versinken. Hier geschehen also nonverbal ganz viele Botschaften. Der Lehrer sendet einen starren Blick aus und fordert damit wieder die Aufmerksamkeit, ganz ohne ein Wort zu sagen. Die Mitschüler wollen nichts verpassen und blicken einen neugierig und erwartungsvoll an, was nun passiert. Man selbst sendet meist Scham aus, macht sich klein, gesenkter Blick, will so wenig Angriffsfläche bieten wie möglich, auch für Blicke. Gerade über den Blickkontakt werden oft nonverbale Botschaften verschickt. Diese können dabei ganz unterschiedlich lauten und sind oft nur von den betroffenen Personen verständlich.
Ein selbstbewusster Händedruck, nicht zu fest, dass man dem anderen wehtut, aber auch nicht zu schlaff, kann ebenso viel vermitteln. Gerade im beruflichen Kontext, ist ein selbstbewusstes Auftreten wichtig. Wer also um diese Signale weiß, kann sich entsprechend präsentieren. Wird ein selbstbewusster Händedruck noch mit einem freundlichen (aber nicht übertriebenen) Lächeln und einem bewussten Blick in die Augen des Gegenübers kombiniert, so hat man einen sehr guten ersten Eindruck bereits hinter sich gebracht. Das Gesamtpaket (adäquate Kleidung) erscheint stimmig und das Auftreten wird als souverän empfunden.
Genau gegenteilig aber sehr bewusst, wird das sogenannte Pokerface („Fassade/ Maske“) eingesetzt. Hier geht es darum das gegenüber nicht wissen zu lassen, was in einem vorgeht. Es ruft gezielt Reaktionen hervor, kann nett und freundlich wirken, jedoch weiß nur derjenige selbst, was sich dahinter verbirgt.
Nun wurde schon mehrfach den Kleidungsstil erwähnt, aber was genau bedeutet das? Jeder Beruf bringt einen gewissen Kleidungsstil mit sich. Erscheint ein Bewerber bei einem Bewerbungsgespräch für einen Job auf dem Bau in Anzug und Krawatte, kann er so rüberkommen, als ob er sich zu fein für diesen Job ist und sich nicht schmutzig machen will. Ein Anzug wäre daher wirklich zu viel. Hier reichen eine ordentliche Jeans und Hemd oder ein gutes Shirt. Bewirbt sich jedoch jemand für einen höheren Bürojob, so ist ein Anzug oder Kostüm Pflicht. Hier werden ein gepflegtes Äußeres und ein gewissen Auftreten erwartet, insbesondere wenn Kundenkontakt oder Personalführung damit verbunden sind. Damen sollten dabei darauf achten, dass der Ausschnitt nicht zu tief und der Rock nicht zu kurz ist. Das Make Up sollte ebenfalls stimmig sein und nicht zu stark. Sonst wirkt es hingegen billig. Auch wenn die Erscheinung gerade Mann imponiert, kann man damit zu viel riskieren.
Wie auch die Kleidung ein Teilaspekt der Körpersprache sein kann, so kommen auch die Haare dazu. Insbesondere bei längeren Haaren kann hier ausgenutzt werden, dass das Gesicht und der Blickkontakt versteckt wird. Das kann sowohl als Desinteresse aber auch als Ablehnung oder Ängstlichkeit verstanden werden. Pflege und Styling sagen dem Gegenüber also auch etwas über unser Empfinden aus.
Die Körpersprache kann aber auch Zurückhaltung oder Hemmung ausdrücken. Fühlen wir uns in einer Situation unwohl, versuchen wir uns automatisch klein zu machen. Die Schultern werden hochgezogen, der Kopf dagegen eingezogen, wir verstecken den Hals. Ein Urinstinkt um die Kehle zu schützen. Einem selbst kann das manchmal erst nach Minuten oder Stunden auffallen, wenn die Schultern und Rücken anfangen verkrampft zu schmerzen, da es keine natürliche Haltung ist. Unsere Hände können uns ebenso verraten: sie sind gerade bei Nervosität oft ruhelos. Daher hilft es vielen in Stresssituationen, wie Vorträgen, etwas in der Hand zu halten, ein Merkzettel, ein Stift oder einen Laserpointer. Man hat etwas, woran man sich festhalten kann, sollte jedoch den Gegenstand nicht hilflos umklammern. Auch unserem Gegenüber fällt sowas bewusst auf. Ist er freundlich und empathisch, wird er versuchen die Situation für einen angenehmer zu gestalten, soweit möglich. Andererseits liefern wir Menschen mit weniger noblen Zielen damit direkt eine Angriffsfläche. Sie verstehen es die Unsicherheit des anderen für ihre Zwecke auszunutzen.
Zu beachten gilt immer, eine Persönlichkeit ist nicht perfekt. Manche Menschen sind geübter und wirken damit professioneller, aber genauso machen uns kleine Unsicherheiten in der Gestik sympathischer. Man wirkt nicht zu steif oder abgehoben, arrogant oder unnahbar, weniger wie ein Roboter und mehr wie ein Mensch.
Soll die eigene Außenwirkung optimiert werden, so müssen wir uns erst darüber klar werden, was genau welche Signale aussagen und wann wir diese Haltungen auch unbewusst einnehmen. Oftmals fühlt man schneller eine Situation, z.B. Unbehagen, als unser Verstand Ursache und Wirkung erfassen kann. Gehen wir in Ablehnung zu etwas Gesagtem oder einer Person, verschränken wir oft die Arme vor der Brust. Sie bilden eine emotionale Barriere zu dem Geschehen gegenüber. Dieser Vorgang passiert oft unbewusst, bevor uns klar wird, was genau uns eigentlich stört. Sind wir uns der Körperhaltung bewusst, kann man sie entweder sofort auflösen um eine andere Botschaft als Ablehnung zu senden, z.B. dem Chef gegenüber, der nicht sofort erfahren soll, was man gerade über ihn denkt. Fällt es dem Gegenüber jedoch auf, dass man gerade in eine Art Abwehrhaltung geht und er die Konfrontation gar nicht möchte, so kann auch im Dialog umgeschwenkt werden und das zuvor Gesagte umformuliert oder entkräftet werden.
Im Gegensatz dazu sollen offene Hände oder Arme Offenheit und Ehrlichkeit symbolisieren. Kombiniert mit einer aufrechten Haltung und einem geraden Gang, kann es eine Standfestigkeit und Selbstsicherheit im Leben ausdrücken. Dabei ist es wichtig nicht herumzustolzieren, sonst wirkt die Haltung hingegen überheblich. Eine gute Orientierung bietet das Körpergewicht auf beide Beine gleichmäßig verteilt und zu versuchen ein ruhiges Wesen zu zeigen, also nicht zu hampeln oder wild herum zu gestikulieren. Ruhige Gesten erzielen auch eine ruhige Wirkung nach außen.
In unserem Auftreten zeigen wir demnach sofort eine Ausstrahlung und damit eine innere Haltung. Sehen wir einen Menschen, bewerten wir schnell den ersten Eindruck. Das kann natürlich auch eine bewusst zur Schau gestellte Fassade sein oder aber auch eine aktuelle Emotion, die nicht gut versteckt werden konnte. Nicht immer bewerten wir damit den Menschen, sondern das, was wir in diesem Moment erkennen. Wir treffen also sehr schnell unterbewusst eine Entscheidung, ob uns dieser Mensch sympathisch erscheint oder wir ihm eher mit Abscheu begegnen. Dazu trägt die Haltung, aber auch der Kleidungsstil bei. Wir scannen eine Person innerhalb weniger Sekunden und gleichen sie unterbewusst mit unseren bisherigen Erfahrungen ab. Das kann so weit gehen, dass die Person gegenüber in eine Schublade gesteckt wird. Ist eine Entscheidungen über Mögen oder Ablehnen erst einmal getroffen, ist es sehr schwer diese nochmal zu revidieren. Wir versuchen vielmehr in einem weiteren Gespräch die Bestätigung für den ersten Eindruck zu finden, wodurch wir Dinge falsch auffassen können oder verdrehen. Zusätzlich können weitere positive oder negative Attribute ausgeblendet werden. Dadurch entstehen unbewusst oder bewusst Wahrnehmungsfehler. Teilweise kann uns dadurch auch eine gewisse Objektivität fehlen. Haben wir gar mit einer Person mit ähnlichem Verhalten schlechte Erfahrungen gemacht, übertragen wir diese negativen Eigenschaften auf die neue Person und verurteilen sie unschuldiger Weise.
Ein aufrechter Gang mit einer gewissen natürlichen Körperspannung, die Schultern zurück und ein Blickkontakt in Gesprächen, hinterlässt einen guten Eindruck. Gehen wir in großen, zügigen Schritten, wird der Gang als souverän eingestuft. Eine Gangart, die jedoch an rennen erinnert, wirkt hingegen gestresst. Trippelnde Schritte sagen oft Unsicherheit aus, während ein zu langsames Gehen oder Schlendern gerade in einem Arbeitsumfeld als suchend, unsicher, träumend oder desinteressiert wirkt. Ein zielorientierter zügiger Gang, wirkt daher auf andere besonders motiviert.
Die Körpersprache ist uns teilweise angeboren. Ein Baby lernt nicht erst zu lächeln oder zu weinen, es tut es einfach. Ein anderer Teil ist uns anerzogen, wobei hier auch regionale und kulturelle Unterschiede zu beachten sind. Je besser wir in unserem Leben Gesten und die Körpersprache gelernt haben, desto natürlicher wirken wir mit ihrem Einsatz und desto einfacher fällt es uns auch andere Menschen zu lesen. Dabei funktioniert auch eine Ebene unterbewusst über Erinnerungen. Nicht jede Geste muss geübt werden, manche sind uns so vertraut, dass sie spontan ablaufen. Durch die Erinnerung, wie andere die Körpersprache einsetzen und wirken, können wir dieses Verhalten übernehmen.
Quellen
Sewell, Konrad. Körpersprache: Erfolgreich Menschen lesen durch Körperhaltung und nonverbale Kommunikation. Manipulationstechniken durch Rhetorik, Ausstrahlung und Psychologie ... und selbstbewusst anwenden (German Edition). Kindle-Version (2019), ISBN 9781096164500
Kuhn, Tilo . Los geht´s, unaufhaltbar: Körpersprache lesen und verstehen lernen (German Edition). Kindle-Version (2020)
Krone, Max. Die Macht der Körpersprache: Lügen erkennen und lesen lernen-Menschen entschlüsseln und durchschauen-Körpersprache im Alltag und im Beruf einfach nutzen-Körpersprache ... verstehen und einsetzen (German Edition). Kindle-Version (2018)
Kiefel, Alexander. Körpersprache: Ich sehe was du denkst! Wie DU Menschen lesen kannst, als wären sie ein offenes Buch. (Körpersprache, Menschen lesen, Nonverbale Kommunikation) (German Edition). Kindle-Version (2018)
Kühn, Isabella. Körpersprache: Was das äußere über uns sagt (German Edition). Kindle-Version (2018)
Grundig, Marie . KÖRPERSPRACHE: Menschen lesen und durch nonverbalen Kommunikation für sich gewinnen (German Edition). Kindle-Version (2020)
Du kannst hier über deine Probleme und Sorgen schreiben, seien es Krankheit, Depressionen, Mobbing, Trauer oder Liebeskummer oder andere Themen, die dich belasten.
Bitte beachte, wir sind kein Dating-Chat oder ähnliches.
Wir sind ein Kummerchat und bieten dir ein offenes Ohr und unsere Ratschläge und Hilfe. Dabei sind wir wie eine Selbsthilfegruppe organisiert. Du triffst also vermehrt auf User, die selbst Probleme haben. Daneben gibt es unsere Berater, die als Laien direkte Ansprechepartner darstellen.
Falls du allgemeine Probleme beim Einloggen hast, kannst du dich per E-Mail an den Admin wenden (info@kummerchat.com). Er ist für technische Details der richtige Ansprechpartner. Bitte erstelle keinen neuen Account um im Chat nachzufragen (siehe auch Regeln), auch dort wirst du per E-Mail an den Admin verwiesen.
Ja, der Chat ist 100 % kostenlos. Wir finanzieren uns über Werbung und Spenden.
Ja, du bist hier vollständig anonym. Das Team wird dich niemals auffordern private Daten mitzuteilen. Der Austausch privater Daten (E-Mail, Adresse, Handynummer, etc.), ebenso wie Accountnamen für andere Plattformen ist verboten. Dies dient eurem Schutz, da wir leider Missbrauch feststellen mussten. Falls ein User dich auffordert private Daten zu nennen, verweigere die Antwort, um dich selbst zu schützen. Beachte, dass du nicht mehr anonym bist, sobald du ein Foto von dir als Profilbild online stellst.
Bei der Nutzung des Internets benötigst du eine IP (eine Art „Adresse“), damit du Daten aus dem Internet auf deinem Endgerät nutzen kannst. Diese IP ist für den Admin einsehbar und wird im Hintergrund technisch bedingt benötigt.