Neben gesprochenen Sprache oder geschriebenem Text, haben wir eine weitere Möglichkeit uns mitzuteilen: mit Gesten und Mimik – der Körpersprache. Jeder hat es schon mal erlebt, man telefoniert oder chattet, sagt oder schreibt etwas und der Gegenüber versteht es falsch. Das kann damit zusammenhängen, dass wir in einem direkten Kontakt durch unsere Körpersprache sehr viele weitere Emotionen ausdrücken, die das Gesagte unterstützen und ihm eine bessere Wirkung verleihen.
Jeder kennt auch Körpersprache bei Tieren: der Hund, der mit dem Schwanz wedelt, wird direkt einsortiert, dass er sich freut. Oder die Katze mit gewölbtem Rücken und Haaren, die zu Berge stehen. Wenn wir so ein Bild sehen, können wir uns das Fauchen dazu direkt vorstellen. Sehen wir einen Bekannten, der weint, so wollen wir ihn in den Arm nehmen, Trost spenden. Ganz ohne Worte. Wir haben also ganz verschiedene Wahrnehmungsebenen und viele davon laufen nonverbal ab.
Körpersprache zeigt das Verhalten anderer dir gegenüber, so wie du das deine ihnen zeigst. Wir erkennen an einem offenem Gesicht und freundlichem Verhalten, wer uns wohlgesonnen ist oder aber wer sich uns verschließt und uns lieber aus dem Weg geht. Aufmerksames Beobachten hilft Leute wahrzunehmen und zu lesen. Wir setzen unsere täglichen Scheuklappen ab, die uns fokussieren lassen, aber unsere Wahrnehmung einschränken.
Was ist Körpersprache?
Unter die Körpersprache fallen alle nonverbalen Kommunikationstechniken. Das können ganz bewusste Gesten sein, z. B. ein thump up an jemanden, der gerade etwas Tolles geleistet hat, oder auch durch Mimik, ein breites Lächeln, weil uns gerade etwas Freude bereitet. Daneben gibt es noch die kleinen Merkmale, die oft unbewusst vonstattengehen, wie z.B. verkrampfte Hände, wenn wir uns unwohl fühlen oder das Kräuseln der Stirn, wenn wir nachdenken. Die Körpersprache drückt die eigene Persönlichkeit aus und damit auch unser Denken und Verhalten, soweit wir das zulassen.
Körpersprache geschieht meist automatisch. Sie ist ein Urinstinkt. Gerade in Kampfhandlungen kann man sie deutlich beobachten: böse Blicke, herausgestreckte Brust, ausladende Bewegungen. All das zeigt deutlich eine aggressive Haltung und das Einnehmen von Raum. Dem gegenüber steht die Abwehrhaltung oder gegenteilig, das Ausstrahlen von Liebe oder Fürsorge. Ähnliches kennen wir auch im Fluchtverhalten, wenn der Körper schon reagiert, bevor wir die Situation komplett realisieren oder auch in plötzliche Schockstarre verfallen.
Zur Körpersprache zählen allgemein die gesamte Körperhaltung und die Ausstrahlung. Beides geht oft Hand in Hand miteinander. Lernt man die vielen kleinen Hinweise kennen, die jeder Mensch am Tag aussendet, so kann man sich selbst und andere Menschen besser verstehen lernen. Man kann sich selbst beobachten und entscheiden, welche Signale man bewusst senden möchte. Wird von dem Lehrer oder Chef eine schwierige Frage gestellt, deren Antwort man spontan nicht kennt, so kann das Stirnrunzeln schnell zeigen, dass man verunsichert ist und darüber nachdenken muss. Ein geübter Mensch kann dieses Stirnrunzeln bewusst unterdrücken und den unangenehmen Moment überspielen, so dass die Unwissenheit nicht auffällt. Daher spricht man in diesem Zusammenhang auch oft von Manipulation. Dieser Begriff ist nicht negativ zu verstehen, soll er nur anzeigen, dass wir uns nicht wie ein offenes Buch lesen lassen und unsere Erscheinung, Handeln und Umgang mit anderen fest in der Hand haben. Können wir unsere Körpersprache selbst bestimmen ohne dass uns die kleinen Automatismen in Mimik und Gestik beeinflussen, so strahlt man selbst eine starke Überzeugungskraft und Selbstsicherheit aus. Wird diese mit einer guten Rhetorik (Redekunst) kombiniert, so hat man die passende Unterstützung für einen guten Auftritt und eine positive und selbstsichere Ausstrahlung.
Körpersprache ist (weitgehend) multilingual. Sie ist weltweit verständlich. Wir müssen nicht die gleiche Sprache sprechen und verstehen uns durch Mimik und Gestik trotzdem in den allgemeinen Zusammenhängen. Das können wir z.B. auch oft im Urlaub beobachten. Wir sprechen nicht die gleiche Sprache, können uns aber „mit Händen und Füßen“ verständigen. Auch gegenüber Bekannten, Freunde und Familie gibt es Verständigungen ganz ohne Worte. Man wirft der besten Freundin einen Blick zu und sie erfasst gleich die gesamte Situation und versteht ohne Worte. Eine herzliche Umarmung spendet immer Trost, egal wann und wo. So heißt es auch: eine Geste sagt mehr als 1000 Worte. Die Körpersprache ist auch oft intensiver als gesprochene Worte. Die trostspendende Umarmung ist stärker als alle Wörter, die Trost spenden können.
Passt die Körpersprache zu den gesprochenen Worten und wird Körpersprache als Kommunikationsmedium eingesetzt, so wirkt der Mensch gleich authentischer oder ehrlicher. Das Gesamtbild, das er repräsentiert, wird als stimmig aufgenommen. Man stelle sich nur einen ungeübten Schauspieler vor, der eine traurige Szene spielen soll, dabei aber andauernd lachen muss, weil es ihm so seltsam vorkommt. Wir nehmen eine solche Szene direkt als unecht wahr, weil Sprache und Körpersprache nicht zueinander passen. Gleichzeitig kann die Körpersprache also auch bewusst eingesetzt werden um Situationen und Gefühle zu transportieren. Der strahlende Geschäftsführer eines erfolgreichen Unternehmens würde niemals mit verknitterter Miene oder saurem Blick vor die Belegschaft oder Aktionäre treten. Beobachtet man solche Leute, kann man eine bewusst kontrollierte Körpersprache erkennen. Die Gesten sind einstudiert, aber nicht übertrieben. Hier soll ganz klar der Gewinnerkurs dargestellt und somit auch die Zuhörer überzeugt werden. So geübte Menschen können daher andere durchaus in ihrem Auftreten manipulieren. Sie bringen ihre Botschaft überzeugend rüber und wir glauben ihnen. Treten z. B. komplizierte Fragen auf, so zeigen selbstbewusste Menschen durch ihre Körpersprache, dass sie auch in unangenehmen Situationen ruhig und entspannt bleiben können.
Unser Körper redet genau genommen immer mit. Wir sind vieles gewöhnt, wodurch es beispielsweise auch vorkommen kann, dass man beim Telefonieren Mimik oder Gestik, insbesondere die Hände mit einbezieht auch wenn unser Gesprächspartner uns nicht sehen kann. Wir können Gesten auch bewusst unterdrücken, eine Maske tragen, aber auch sie ist Teil unserer Körpersprache.
Im Gegenzug zu dieser eingeübten Körpersprache steht die spontane Körpersprache. Diese ist auch bei geübten Menschen erkennbar. Es tritt ein kleines unerwartetes Ereignis ein: Beim Öffnen des Sekts zur Firmenfeier schießt der Korken aus der Flasche und versehentlich einen Kollegen ab. Alle sind kurz erschrocken und schauen auf den Kollegen, ob es ihm gut geht. Das sind kleine spontane Reaktionen der Körpersprache, die nicht vorhersehbar sind. Aber genau solche Reaktionen, die am Geschehen teilhaben lassen, lassen einen Menschen echt wirkt. Kein Eisblock, den es nicht interessiert und unbeteiligt wegguckt. Aber auch nicht die Dramaqueen, die es aufbauscht als sei ein Elefant durch das Zimmer gerannt. Geht es dem abgeschossenen Kollegen gut, so entlädt sich die Anspannung oft in ein kurzes allgemeines Gelächter bevor zum normalen Geschehen wieder übergegangen wird. Auch dieses miteinander Lachen passiert spontan und lässt einen als Mensch lebendig wirken.
Körpersprache betrifft aber nicht nur uns selbst, sondern auch die Menschen, mit denen wir interagieren. Wir senden nicht nur nonverbale Kommunikation, wir empfangen sie auch. Menschen, die problemlos die Körpersprache anderer lesen können und diese mit den gesprochenen Worten in einen Kontext stellen können und ebenso darauf angemessen reagieren, erscheinen uns empathisch. Beobachtet man sein Gegenüber genau, kann man daran auch seine Stimmung ablesen und angemessen darauf reagieren. Wirkt derjenige gestresst oder traurig, hat er gerade genügend eigene Probleme, kann es sinnvoll sein, das eigene Anliegen auf später zu verschieben, da derjenige gerade keine Gedanken dafür übrig hat. Man erscheint in diesem Moment also höflich und nicht lästig. Dadurch kann man ebenso die eigenen Chancen bei einem späteren Gespräch verbessern.
Körpersprache kann allein stehen, kann aber auch das Gesprochene unterstützen und schließt damit den Kontext samt Situation, in der wir uns gerade befinden, mit ein. Passt die Körpersprache zur gesprochenen Sprache und zur Situation? Stimmt etwas nicht bemerken wir das oft unbewusst, können es noch nicht genau benennen. Wir reden dann oft von unserem Bauchgefühl.
Quellen
Sewell, Konrad. Körpersprache: Erfolgreich Menschen lesen durch Körperhaltung und nonverbale Kommunikation. Manipulationstechniken durch Rhetorik, Ausstrahlung und Psychologie ... und selbstbewusst anwenden (German Edition). Kindle-Version (2019), ISBN 9781096164500
Kuhn, Tilo . Los geht´s, unaufhaltbar: Körpersprache lesen und verstehen lernen (German Edition). Kindle-Version (2020)
Krone, Max. Die Macht der Körpersprache: Lügen erkennen und lesen lernen-Menschen entschlüsseln und durchschauen-Körpersprache im Alltag und im Beruf einfach nutzen-Körpersprache ... verstehen und einsetzen (German Edition). Kindle-Version (2018)
Kiefel, Alexander. Körpersprache: Ich sehe was du denkst! Wie DU Menschen lesen kannst, als wären sie ein offenes Buch. (Körpersprache, Menschen lesen, Nonverbale Kommunikation) (German Edition). Kindle-Version (2018)
Kühn, Isabella. Körpersprache: Was das äußere über uns sagt (German Edition). Kindle-Version (2018)
Grundig, Marie . KÖRPERSPRACHE: Menschen lesen und durch nonverbalen Kommunikation für sich gewinnen (German Edition). Kindle-Version (2020)
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