Anzahl an Bewerbungen
Wie wir bisher gesehen haben, macht eine gute Recherche für eine aussagekräftige Bewerbung ziemlich viel Arbeit. Da kann es verlockend sein nur wenige Bewerbungen zu schreiben, eben gerade so viele wie nötig und lieber nochmal abzuwarten. Tatsächlich gibt es auf die Anzahl, die man schreiben sollte, keine universelle Antwort. Der eine hat direkt Glück, beim andern dauert es länger. Zu bedenken ist jedoch, je weniger Bewerbungen man schreibt, desto mehr Glück braucht man oder ein wirklich überzeugendes Anschreiben. Schreibt man nur wenige Bewerbungen und wartet man lieber, kann dies die Phase der Suche bzw. auch der Arbeitslosigkeit verlängern. Ist man länger arbeitslos, wirkt man gleich wieder unattraktiver für den neuen Arbeitgeber. Warten ist also nicht immer eine gute Option.
Oftmals werden zum Monatsanfang oder zur Monatsmitte in digitalen Portalen neue Stellenanzeigen veröffentlich. Zumindest dann lohnt es immer wieder diese zu durchforsten. Um das anschließende Schreiben der Bewerbung etwas zu vereinfachen, kann man ein Rahmenkonstrukt mit den persönlichen Eckdaten anfertigen, das immer bestehen bleibt. Auf Anforderungen des Arbeitgebers und die Motivation für diese Stelle sollte jeweils getrennt eingegangen werden. Hast du dir zuvor mental deine wichtigsten Punkte für den Beruf klar gemacht, so kannst du nun auch in Portalen zielgerichteter suchen, was dich anspricht und schneller auswählen, worin du mehr Zeit investieren willst, was auf einen „Vielleicht-Stapel“ kommt oder aber auch, was direkt ausscheidet. Hierzu kann auch eine Liste mit Kriterien hilfreich sein: Welche Stellenbeschreibung erfüllt wie viele deiner Wunschkriterien? Damit priorisierst du automatisch die Stellenanzeigen und kannst in die bestmöglichen Ausschreibungen entsprechend mehr Zeit investieren und gehst damit strukturiert vor. Zusätzlich sind noch ein paar Notlösungen enthalten, falls der Bedarf entsteht. Schau auch, welche Schlagworte die für dich interessanten Bewerbungen verwenden und nutze diese für deine weitere Recherche.
Am besten ist es frühzeitig mit den Bewerbungen zu beginnen, da der Prozess zum einen Zeit fordert und es zum anderen auch nicht immer gut ankommt, eine Bewerbung auf den letzten Drücker abzugeben. Das kann unterschiedliche Ursachen haben, die der Personalverantwortliche aber nicht kennt. Manche denken dann, jemand der alles nur auf den letzten Drücker erledigt, ist nicht engagiert und fleißig. Die Unterlagen werden also schon mit einem gewissen Beigeschmack gesichtet und ggf. vergleichend negativer beurteilt.
Auch gilt es beim Bewerbungsprozess zu berücksichtigen, dass eine Einladung zu einem Bewerbungsgespräch noch keine Stellenzusage ist. Erhält man eine Einladung kann man natürlich den Such- und Bewerbungsprozess stoppen, jedoch kann es auch sein, dass man interessante Stellenausschreibungen verpasst oder den Prozess verzögert, erhält man nach dem Gespräch eine negative Antwort. Auch ein aus eigener Sicht erfolgreiches Gespräch muss nicht zwingend in einer Zusage münden. Das alles können mehrere Wochen oder Monate sein, in denen man weitere interessante Stellenausschreibungen verpassen könnte. Evtl. findet man in diesem Zeitraum sogar eine Stelle, die noch besser zu einem passen würde. Liegt eine Einladung zum Gespräch bei einer „Notlösung“ vor, so kann man das Gespräch auch zum Üben verwenden, um beim Wunschjob besser abzuschneiden oder nochmal Rückfragen stellen, die aus der Notlösung eine Lösung machen könnten.
Ablauf von Bewerbungsverfahren
Beginnt man eine Ausbildung, so gibt es für den Beginn einen festen Tag, der mit der Berufsschule zusammenhängt. Die Bewerbungsphase selbst kann jedoch unterschiedlich davor starten. Gerade bei sehr großen Firmen, kann es vorkommen, dass man sich 9 bis 12 Monate im Voraus bewerben sollte. Bei kleineren Betrieben sind es meist 6 bis 9 Monate. Jedoch können auch immer noch kurzfristig Möglichkeiten entstehen. Sich frühzeitig um einen Ausbildungsplatz zu kümmern, ist sinnvoll, jedoch nicht die einzige Möglichkeit.
Wird ein Jobwechsel angestrebt, so kann immer nach passenden Jobs gesucht werden. Sobald man eine passende Stelle findet, sollte man sich so früh wie möglich bewerben. Denn es gilt auch die eigene Kündigungsfrist einzuhalten und je eher man weiß, wann ein Wechsel, womöglich auch mit einem festen Wunschbeginn des neuen Arbeitgebers, ansteht, desto eher kann man auch den alten Job kündigen. Ausgelernte Arbeitskräfte werden immer gesucht, teilweise auch sehr kurzfristig. Bringt man sich selbst frühzeitig in die Bewerbungsphase ein, kann es sein, dass der Arbeitgeber schon mit Gesprächen startet und man gleich Punkten kann, denn die Konkurrenz ist noch nicht so groß. Findet man eine interessante Stelle erst kurz vor Bewerbungsende sollte das jedoch auch nie ein Hindernis sein und man sein Glück probieren, da man nie weiß, was zuvor war. So lange die Frist offiziell noch läuft, kann alles offen sein.
Bewirbt man sich auf ein Praktikum, so kann es insbesondere bei großen Firmen auch ratsam sein, die Bewerbung so früh wie möglich abzusenden, sobald man weiß, wann das Praktikum zeitlich sein kann. In sehr großen Firmen kann es auch hier ratsam sein sich bis zu 12 Monate vorher zu bewerben. Jedoch sind sowohl in großen, wie auch in kleinen Firmen auch kurzfristig Praktika möglich.
Allgemein gilt, wenn Zeit ist und die Stellenausschreibung frühzeitig gefunden wurde, sollte man sich nicht erst kurz vor Ende der Frist bewerben. Denkt man jedoch, der Job passt ideal, aber der Termin ist gerade verstrichen, so kann man dies am besten telefonisch klären, ob man noch eine Bewerbung einreichen darf. Auch Firmen suchen den passendsten Kandidaten.
Informationsrecherche
Bevor man mit dem Schreiben der Bewerbung beginnt, kann es hilfreich sein, sich nochmal über das Unternehmen zu informieren und sich mit der jeweiligen Firma auseinander zu setzen. Das kann zum einen direkt im Anschreiben verwendet werden, aber auch in einem Bewerbungsgespräch. Detailwissen über die Firma zeigt Interesse am neuen Job und kann gleich Pluspunkte einbringen.
Informationen, die immer eingeholt oder recherchiert werden müssen, sind Bewerbungsfrist, Ansprechpartner, Aufgabengebiet und Fähigkeiten für die entsprechende Arbeitsbeschreibung. Diese Informationen findet man in der Stellenausschreibung, auf der Homepage der Firma, Broschüren, Drittseiten (Bewertungsseiten der Firma von Mitarbeiten oder unabhängigen Unternehmen) oder aber auch über Bekannte, die dort bereits arbeiten. Findet man diese Informationen nicht, so kann man auch telefonisch oder höflich per E-Mail anfragen. Dabei sollte man das Anliegen präzise formulieren, um sich nicht selbst jetzt schon zu disqualifizieren. Auch solche Kontaktaufnahmen gehören schon zur Bewerbungsphase.
Das Ziel der Recherche sollte sein, sich ein besseres Bild über die Firma und die Arbeitsstelle zu machen: Warum will ich genau zu dieser Firma an diesen Standort? Diese Informationen und das Gefühl, dass sich dabei einstellt, kann entsprechend fürs Anschreiben genutzt werden. Daher ist es vorteilhaft sich schon während der Recherche Notizen zu machen. Diese kann man nochmal nachlesen, wenn man zu einem Bewerbungsgespräch eingeladen wird und sich verschiedene Informationen nochmal bewusst machen möchte zur Vorbereitung.
Was die Firma erwartet steht kurz beschrieben in der Stellenanzeige, aber was geht darüber hinaus? Was wird nicht gesagt? Softskills werden oftmals weniger benannt als die Ausbildungskriterien. Solche Softskills sind beispielsweise Zuverlässigkeit, Teamfähigkeit, Belastbarkeit und soziale Kompetenz – soweit erforderlich. Wer sich beispielsweise auf einen Job bewirbt morgens um 4.00 Uhr Zeitungen auszutragen, wird weniger Teamfähigkeit oder soziale Kompetenz benötigen, da er/ sie seltener auf Leute trifft, dafür aber umso mehr Belastbarkeit und Zuverlässigkeit. Softskills sollten immer zur Stelle passend benannt werden.
Überlege dir bei der Recherche auch, welche Softskills unterschwellig gefordert werden und welchen Stellenwert nehmen diese in der zukünftigen Berufsposition ein? Ein typischer Softskill ist Kommunikationsfähigkeit: an wen wird kommuniziert, wie wird kommuniziert, welche Inhalte müssen kommuniziert werden. Oder auch Teamfähigkeit: Welche Position hat man selbst im Team, was wird erwartet und wie kann man sich selbst einbringen?
Mit einer guten Informationsrecherche kannst du in deinem Anschreiben auch Fragen beantworten, ohne dass ein Personaler diese bewusst gestellt hat. So kannst du bereits bewusst auf Eigenschaften des Unternehmens Bezug nehmen oder auch Gründe für einen Arbeitsplatzwechsel nennen ohne dass Spekulationen aufkommen. Denn Spekulationen fallen meist negativ für dich aus.
Höre beim Lesen der Stellenanzeige in dich rein, was dich anspricht oder auch abschreckt. Oft wird eine Vielzahl von Kenntnissen als Aufgaben-/ Bewerberprofil genannt. Das kann auch überfordern. Meist muss dieses Profil nicht komplett erfüllt werden. Hier gilt es sich nicht abschrecken zu lassen. Wird jedoch durch eine Recherche oder ein Gespräch klar, dass doch so viel wie möglich gefordert wird, frage dich, ob es nicht zu viel für dich ist. Durch ein Vorabtelefonat können solche Fragen besser geklärt werden, aber auch hierbei gilt sich nicht gleich unattraktiv darzustellen, da man gleich sagt, es sei zu viel oder man könne die Hälfte nicht und wolle es auch nicht lernen. Wird nur ein Teil gefordert, so kann man diese Informationen gezielt im Anschreiben nutzen und darauf eingehen, was am wichtigsten scheint. Überlege dir daher zu Beginn genau, was bringst du bereits für die Stelle mit und was musst du dir noch aneignen.
Sich für eine Stelle zu bewerben, heißt auch sich selbst bewerben. Oder mit anderen Worten: Werbung für sich selbst betreiben. Das bedeutet nicht nur Fakten zu nennen (z.B. „ich bin fleißig“), sondern diese auch mit Beispielen zu belegen. Damit schaffst du eine persönliche Schnittstelle zu den genannten Anforderungen und kannst gleich zeigen: ich bin der/ die Richtige für diesen Job. Nutze diese Schnittstellen, um dich ganzheitlich zu präsentieren: Beruf, Hobbies, Freizeit, Ehrenämter, wer bist du? Wird ein Teamplayer gesucht, kannst du beispielsweise auf deinen Mannschaftssport verweisen. Wird Projektarbeit mit eigenständiger Planung gesucht, kannst du auf selbstständiges Arbeiten oder Elternsein mit Kindern und Hund verweisen, Dinge, die du alleine im Hobby planst und erfolgreich bewältigst. Jedoch solltest du nie lügen oder die Begebenheiten verdrehen, das fällt früher oder später auf und disqualifiziert dich. Versuche also durch deine eigene Persönlichkeit zu punkten und positiv aufzufallen. Denn deine Persönlichkeit ist das, was dich von allen mit der gleichen Ausbildung abhebt. Du bist keine Massenware, sondern du!
Beide Parteien haben Erwartungen: du an den Job und der Arbeitgeber an dich. Versuche im Vorfeld auch hierzu möglichst viel herauszufinden: Gibt es einen bestimmten Kleidungsstil, den du einhalten musst? Computerprogramme, die es zu beherrschen gilt? Gibt es eine gewisse Arbeitskultur, in die du dich integrieren musst? Wie ist der Führungsstil in der Firma oder der Aufbau des Managements? Gibt es eine flache Hierarchie oder doch eine mit vielen Ebenen? Wofür ist die Firma bekannt? War sie beispielsweise zuletzt in den Nachrichten und waren es gute oder schlechte Schlagzeilen? Hierzu können beispielsweise auch firmeninterne Pressemitteilungen auf der jeweiligen Firmenhomepage nützlich sein. Sind diese aktuell und wird die Seite gepflegt oder doch vernachlässigt? Wie ist die Firmenphilosophie? Gibt es ein soziales Engagement der Firma? Gibt es vielleicht sogar einen Einstellungstest? Dann solltest du dich unbedingt darauf vorbereiten. Frage dich auch bei dem, was dir die Firma bietet, ob es zu dir passt, was dir wichtig ist. Erfüllt der Arbeitgeber auch Dinge, die dir wichtig sind? Nutze diese Informationen, um die Firma kennen zu lernen und ein adäquates Anschreiben zu verfassen. Die Recherche kann umfangreicher sein und mehrere Stunden benötigen. Damit hat man aber ein qualitativ besseres Anschreiben und gestaltet sich selbst der Firma gegenüber attraktiv.
Quellen
Fluss, Joseph. BEWERBUNG - die perfekte Bewerbung schreiben: Das Buch, mit dem Sie lernen, andere von sich zu überzeugen, um Ihren Traumjob zu ergattern (mit exklusiven ... Anschreiben & Lebenslauf) (German Edition). Kindle-Version.
Momaroni , Stefano. Das Geheimnis erfolgreicher Bewerbungen: Anleitung zum perfekten Lebenslauf und Anschreiben (German Edition). Kindle-Version.
https://karrierebibel.de/arbeitszeugnis-formulierungen-bewertung/
(am 04.06.2021, 10:52 Uhr)
Kirch, Lukas. Der perfekte Lebenslauf in nur 90 Minuten: Eye-Tracking, Insider-Wissen: Darauf kommt es beim Lebenslauf an! (Bewerbung? Nichts leichter als das!) (German Edition). Kindle-Version.
Rahe, Christian B.. Ehrlich Bewerben: Wie Du Arbeitgeber Deines Traumjobs mit wahrlich einzigartigen Bewerbungsschreiben von Deiner Persönlichkeit und Motivation überzeugst ... geeignet für Quereinsteiger (German Edition). Kindle-Version.
Barwell, John R. N.. Bewerbung mit Erfolg: So meisterst du dein Job-Interview und sicherst dir deinen Traumjob (German Edition). Kindle-Version.
Barden, Julia. Erfolgreich bewerben von Anschreiben über Lebenslauf bis zum Vorstellungsgespräch - überzeuge jeden Personaler (German Edition). Kindle-Version.
Janson, Simone. Bewerbung richtig schreiben: Mit Lebenslauf & Motivationsschreiben verkaufen statt nur online & offline bewerben, Bewerbungsgespräche führen dank perfekten Anschreiben & Vorlagen (German Edition). Kindle-Version.
Traxler, Thomas. 10 Schritte zum Traumjob: Ein persönlicher Wegweiser durch den kompletten Bewerbungsprozess (German Edition). Kindle-Version.
Janson, Simone. Recruitingwissen für Jobsucher: Kriterien der Bewerberauswahl, Initiativbewerbung schreiben, Einstellungstests, Auswahlverfahren, Arbeitszeugnis, Online-Reputation, Jobinterview (German Edition). Kindle-Version. à amüsant aber weniger hilfreich
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