SCHWEIGEPFLICHT – 3 – PSYCHOTHERAPEUTISCHE SCHWEIGEPFLICHT BEI KINDERN UND JUGENDLICHEN

Schweigepflicht – 3 – Psychotherapeutische Schweigepflicht bei Kindern und Jugendlichen

26.06.2022

Bei Erwachsenen ist die (ärztliche) Schweigepflicht fest geregelt. Anders sieht es auch hier wieder bei Kindern und Jugendlichen aus. Hierbei muss der Therapeut zwischen dem Geheimhaltungsinteresse des Kindes und dem Mitwissen der Eltern abwägen. Das Wohl des Minderjährigen kann ein Mitwissen der Eltern verlangen um eine erfolgreiche Behandlung zu gewährleisten. Die Mitteilung von Geheimnissen an die Eltern kann Kindern aber auch schaden, vor allem bei Missbrauch durch ein Elternteil oder gerichtlichen Auseinandersetzungen um das Sorgerecht. Für Psychotherapeuten ist es oft schwierig diesem Zwiespalt gerecht zu werden.

 

Das der Minderjährige geistig entsprechend reif, kann auch mit einem Therapeuten verabredet werden, dass Informationen, die an die Eltern sollen erst zwischen Patient und Therapeut besprochen werden, so dass sich der Patient auf das Elterngespräch einstellen kann.

 

 

Patientenrechte für Minderjährige

Auch Minderjährige wollen mitreden, wenn es um den eigenen Körper geht. Hierbei sind die Patientenrechte bei Minderjährigen jedoch komplizierter. Es kommt nicht nur auf das Alter an, sondern auch darauf wieviel der Jugendliche bereits versteht.

 

Geht es dem Jugendlichen nicht gut, so sollte er/sie das Gespräch mit den Eltern suchen und einen Arzt aufsuchen. Die Eltern dürfen den Arztbesuch nicht verhindern. Sie sind sogar gesetzlich dazu verpflichtet, für die Gesundheit des Kindes zu sorgen. Dies regeln die Pflichten als Erziehungsberechtigte.

 

Ist der Jugendliche bei einer gesetzlichen Krankenkasse versichert (nicht privat), so kann er/sie ab dem 16. Lebensjahr alleine zum Arzt und eine Behandlung beantragen. Hierbei kommt es auf die Einschätzung des Arztes an, ob die Eltern informiert werden. Ggf. kann auch die Krankenkasse die Eltern informieren, dass das Kind erkrankt ist. Bei privaten Versicherungen erfolgt immer eine Information.

 

Ärzte sollten dem Jugendlichen erst einmal zuhören, müssen aber seinem Wunsch auf Behandlung nicht entsprechen. Sie können auch darauf bestehen das Gespräch gemeinsam mit den Erziehungsberechtigten zu führen, falls der Arzt es für erforderlich hält.

 

Rechtlich muss eine Einwilligungsfähigkeit des Jugendlichen vorliegen, damit die Erziehungsberechtigten nicht informiert werden. Diese ist nicht an das Alter gebunden, sondern hängt von der geistigen und sittlichen Entwicklung des Jugendlichen ab und sein Verständnis, was eine Behandlung mit sich bringt. Hierbei gilt es auch Behandlungsrisiken zu erfassen und die Tragweite einer Behandlung einschätzen zu können.

 

Ein Arzt sollte dem Jugendlichen verständlich erklären, was eine Behandlung oder auch Nicht-Behandlung bedeutet und welche Folgen auftreten können. Als Patient hat man das Recht zu erfahren, welche Risiken und Behandlungsfehler bestehen können. Der Arzt muss folglich bewerten, ob der Jugendliche das Erklärte versteht und angemessen beurteilen kann. Ist sich der Arzt unsicher, kann er das Einverständnis zur Behandlung von den Erziehungsberechtigten erfragen. Letztlich entscheidet der Arzt, ob ihm deine Einwilligung genügt.

 

Gleiches gilt auch zur Verschreibung von Medikamenten, wenn z.B. eine Jugendliche die Pille zur Schwangerschaftsverhütung nehmen möchte. Auch in der Frage von Impfungen hast du ein Mitspracherecht. Bist du und deine Eltern unterschiedliche Meinung, suche das Gespräch vor der Arzt und lass dich beraten. Hier kannst du auch deine Bedenken äußern. Ein Arzt kann über die medizinische Versorgung aufklären.

 

Jugendliche ab 14 Jahren dürfen aktiv eine Organspende verweigern. Aktiv zustimmen dürfen sie hingegen erst mit 16 Jahren (nach dem eigenen Tod). Soll hingegen eine Lebendspende stattfinden (z.B. eine Niere, Leber, Knochenmark) wodurch der Spender auch später eingeschränkt sein kann, muss er/sie hingegen 18 sein um dies selbst entscheiden zu dürfen. Für Schönheits-OPs unter 18 Jahren bedarf es immer der Einwilligung der Eltern. Allgemein benötigen OPs die Einwilligung der Eltern. Eltern dürfen hier bei medizinischen Notwendigkeiten auch einer OP zustimmen, selbst wenn das Kind/ der/die Jugendliche dies nicht möchte.

 

In einen Schwangerschaftsabbruch müssen die Eltern, da es sich um eine OP handelt, einwilligen. Drängen sie die Jugendliche dazu, darf der Abbruch abgelehnt werden, außer es stehen medizinische Gründe im Vordergrund. Auch als Minderjährige darf über die Schwangerschaft selbst entschieden werden, auch das Kind zu behalten. Hierbei sollte sich die Jugendliche aber auch mit de Konsequenzen einer Schwangerschaft und einem frühen Muttersein auseinander setzen. Entsprechende Beratungsstellen können hier Hilfe bieten. Es ist das persönliche Recht über den Körper und das eigene Kind zu bestimmen.

 

Eine Patientenverfügung, auch nach langjähriger Leidensphase, ist erst mit der Volljährigkeit möglich.



Quellen

https://de.wikipedia.org/wiki/Verschwiegenheitspflicht

https://www.anwalt.org/aerztliche-schweigepflicht/

https://kinderarzt-pocking.de/aerztl-schweigepflicht/

http://www.gesetze-im-internet.de/stgb/__203.html

https://www.forum-verlag.com/blog-gp/aerztliche-schweigepflicht

https://www.gesetze-im-internet.de/bgb/__630a.html

https://www.gesetze-im-internet.de/stgb/__34.html

https://www.gesetze-im-internet.de/stgb/__139.html

https://www.aerztekammer-bw.de/10aerzte/40merkblaetter/10merkblaetter/schweigepflicht.pdf

https://www.aerztezeitung.de/Wirtschaft/Wann-man-die-Schweigepflicht-brechen-darf-269656.html

https://www.aerztezeitung.de/Wirtschaft/Kinderschutz-Wann-Aerzte-reden-duerfen-290583.html

https://www.dr-datenschutz.de/kindeswohlgefaehrdung-vs-datenschutz-zulaessige-datenweitergabe-an-jugendaemter/

https://www.recht-relaxed.de/WebS/RechtRelaxed/DE/KoerperSex/Patientenrechte/patientenrechte_node.html

https://www.bmjv.de/SharedDocs/Publikationen/DE/Ratgeber_Patientenrechte.pdf?__blob=publicationFile&v=23

https://www.aerzteblatt.de/archiv/63334/Ethik-in-der-Psychotherapie-Schweigepflicht-Unterschiedliche-Auslegungen

https://de.wikipedia.org/wiki/Beichtgeheimnis

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