Texte, und gedanken aus meinem leben (triggerwarnung)  

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Ikirio
Fortgeschrittenes Mitglied Registered

Hallo,
Ich wollte mich mal vorstellen☺

Ihr könnt mich Ikirio nennen, ich bin 20 Jahre alt. Bin zur hälfte deutsche, zur Hälfte Niederländerin. Habe meine schule in Holland zu ende gemacht, und habe dadurch die deutsche Sprache nie in der Schule gelernt. Dadurch kann es vorkommen das Schreibfehler und Grammatikfehler vorkommen. Habt bitte ein klein wenig Rücksicht. Dankeschön.

Meine beiden größten Hobbys und Leidenschaften sind das kanu fahren, und das schreiben. Ich schreibe seid vielen Jahren regelmäßig Tagebuch. Manchmal in niederländisch, manchmal in deutsch. Dabei habe ich über die Jahre hin und wieder mal ein paar texte lesen lassen, und mir wurde oft gesagt das diese texte einen helfen können. Das Personen sich dadurch verstanden fühlen.

Deswegen möchte ich gerne dieses Forum dazu nutzen hin und wieder ein paar texte von mir zu veröffentlichen. In der Hoffnung hiermit vielleicht einige menschen erreichen zu können. Diese texte stammen aus meinen Gedanken, und sind persönliche Sichtweisen und Gedanken über verschiedene Themen. Leider kann es hier vorkommen das ich etwas schreibe das euch triggern könnte, daher bitte ich darum die texte nur dann zu lesen, wenn ihr euch dazu in der Lage fühlt.

Ich freue mich immer auf Kommentare, oder Feedback, und bin offen für einem Gespräch über die texte. Oder als Kommentar, oder auch gleich im chat.

Ich wünsche euch allen viel Glück und kraft.
Liebe grüße, Ikirio

Zitat
Veröffentlicht : 12/11/2018 4:41 pm
Ikirio
Fortgeschrittenes Mitglied Registered

„das ist gut“ „das ist schlecht“ „das kann ich“ „das kann ich nicht“
Warum gibt es gut und böse? Warum ist die eine Entscheidung eine gute, und die andere Entscheidung dadurch automatisch eine schlechte? Was bringt uns zu diesem denken? Warum wird alles benotet. Du bist gut, und hast bestanden, oder du bist schlecht, und hast versagt. Das leben wird wie eine Prüfung angesehen. Es wird beurteilt, ob du es gut, oder schlecht machst. Muss das den sein? Sind nicht alle menschen irgendwie gut, und böse zugleich? Haben wir den nicht alle unsere guten, aber auch unsere weniger guten Seiten? Muss man Leute, die nicht in den rahmen passen, ausgrenzen? Es sind trotzdem menschen. Menschen mit Gefühlen, menschen mit Gedanken. Man sieht ein menschen, und hat sofort eine Meinung über sie, hat sofort über sie geurteilt. Hat sie nichtmal die Möglichkeit gegeben, sich vor zu stellen, zu zeigen wer sie ist.
Sichtbare Krankheiten werden geheilt, werden akzeptiert. Man darf ist Krankenhaus kommen, man wird als stark an gesehen, weil man damit kämpft. Unsichtbare Krankheiten allerdings, werden oftmals nicht geheilt, man lernt nur damit zu leben. Weil sie nicht akzeptiert werden. Es wird als schwach angesehen, wenn man sich Hilfe sucht. Aber man ist krank. Es ist eine Krankheit. Eine tödliche Krankheit. Aber es wird nicht verstanden. Wie kannst du so denken? Hör doch damit auf. Dein leben ist doch schön. Das ist nicht gut, was du da machst. Das es nicht gut ist, das weiß man. Das braucht keiner dir zu erzählen. Doch es ist eine Krankheit, die dein leben im Griff hält, die dein komplettes denken beeinflusst. Die dir Sachen in den kopf pflanzt wie:“keiner versteht mich“ „ich bin ein versager“ „ich werde da niemals rauskommen“ „alle reden über mich, denken ich wäre scheiße“ dabei sind die meisten menschen viel zu sehr mit sich selbst beschäftigt. Sie denken über ihre Einkäufe nach, schreiben noch schnell die letzte email auf dem weg nach hause, überlegen sich was sie abends anziehen. Es ist ihnen schlechtweg egal was wir machen, was wir tragen, was wir denken. Es fällt ihnen nicht auf. Sie sind zu beschäftigt. Lauf mal durch die Stadt, und achte bewusst auf die Menschheit. Bleibe stehen inmitten der Menschenmenge, einfach mittendrin. Nicht bewegen, nicht denken, einfach beobachten. Siehst du wieviele Leute an dir vorbei laufen? Siehst du wie wenige Leute dich anschauen? Sie sind vertieft in ihre Gesprächen, es interessiert ihnen nicht, warum du dort, mitten in der masse, einfach stehen geblieben bist, warum du nicht mehr weiter läufst, und dich nicht mehr bewegst. Ich denke, genau das ist der Grund wieso es immer mehr Leuten gibt, denen es schlecht geht. Weil wir zu wenig auf unsere Mitmenschen achten. Es interessiert keinen, was wir erzählen, es fragt uns keiner, was den wirklich los ist. Wir fühlen uns ungebraucht. Die Welt läuft ja trotzdem weiter, auch wenn ich darin nicht mit spiele. Wieso sollten wir uns die mühe machen, über uns hinaus wachsen, mit den schmerzen leben, wenn es keinen interessiert. Wenn dir keiner sagt „mensch, du siehst heute gut aus“ oder „hey, das hast du super gemacht, es geht voran, mach so weiter“. Jeder für uns so großer schritt, ist für die Menschheit, ein Katzensprung. Es sagt mir keiner“du hast es geschafft zu duschen, super, ich bin stolz auf dich“ weil es für andere das normalste der Welt ist. Weil sie nicht verstehen können, was die Krankheit in einem auslöst. Das eben genau die Sachen, die für andere so einfach scheinen, für uns doch ein sehr großer schritt sein kann. Wie soll man das auch verstehen, wenn man es nicht selbst mit erlebt hat? Immerhin werden dir die Sachen von Kind an beigebracht. Sie setzten sich in deinen Gehirn fest, es wird zu Selbstverständlichkeit. Doch genau das, diese Selbstverständlichkeit, die fehlt mir. Ich bedanke mich, wenn jemand mit mir spricht, ich bedanke mich wenn jemand mir ein schönen tag wünscht. Doch leider ist es für meisten Leute, zu Selbstverständlich geworden. Ich sehe es jedoch nicht als selbstverständlich das man mich anspricht. Ich sehe es nicht als selbstverständlich das man mir eine gute nacht wünscht. Ich sehe es nicht als selbstverständlich das ich abends nach hause komme, und jemand auf mich wartet.
Würde jeder mensch, ein wenig mehr auf seine Mitmenschen achten, dann denke ich, und das ist meine Meinung, das man viele Tode hätte vermeiden können. Indem wir Leuten gezeigt hätten das es nicht selbstverständlich ist, das sie zur Arbeit gehen, und ihre Arbeit machen, sondern das wir dankbar dafür sind. Indem wir Leuten gezeigt hätten das man mit uns reden kann. Indem Themen wie Depressionen, selbstverletzendes verhalten, Magersucht, und andere Erkrankungen, nicht Tot geschwiegen werden. Indem man offen darüber redet. Ich leide an Depressionen, kann diesen text verfassen, aber kann nicht mit menschen darüber reden. Ich schäme mich dafür. Und das sollte nicht so sein. Es sollte kein Tabuthema sein, den es reißt mehr Leuten in den Tod, als ihr wahrscheinlich vermutet. Schau dir mal deine Umgebung an, deine Arbeitskollegen, deine Schulkameraden, deine freunde. Beobachte sie einfach mal. Du wirst sehen, das es gar nicht so leicht ist, aber das es sich lohnt. Man sollte keine Menschen verurteilen, bevor man nicht seine komplette Geschichte kennt, sie genauso miterlebt hat. Den jede Entscheidung die ein mensch macht, hat einen Hintergrund. Und auch wenn du diesen Hintergrund nicht siehst, gibt es ihn trotzdem. Man sollte menschen nicht lieben weil sie schön sind. Den das was ein menschen erst wirklich schön macht, ist der Charakter, die Persönlichkeit, die man zu sehen bekommt, wenn es einen schlecht geht. Ich verliebe mich nicht in Männer, Frauen, oder andere Geschlechter. Ich verliebe mich in menschen, egal wie sie aussehen, egal was sie machen, egal welchen Leidensweg sie durchkämpfen. Jede Entscheidung hat sein Grund, und auch wenn du diesen Grund nicht verstehen kannst, ist er für die Person, die die Entscheidung trifft, wichtig. Akzeptieren kann man auch, ohne zu verstehen. Helfen kann man auch, ohne zu begreifen. Überleben, kann man auch, ohne zu leben.

AntwortZitat
Veröffentlicht : 12/11/2018 4:46 pm
Personcheck
Fortgeschrittenes Mitglied Registered

Hallo Ikirio,

Zum Einen möchte ich dir erst einmal für deine Offenheit danken. Du sprichst mir in vielen Punkten direkt aus der Seele. 

Zum Anderen habe ich jetzt erst mitbekommen, dass du eine Frau bist. Das tut aber natürlich nichts zur Sache, schließlich beurteile ich Frauen grundsätzlich nicht nach ihrem Geschlecht ^^

Nun, auch ich fühle mich in vielen Punkten genauso wie du. Depression ist eine Krankheit, die mich in allem Lebensbereichen beeinflusst. Sei es in der Schule oder Freizeit, sie ist mein ständiger Begleiter, von morgens bis abends. Viele Dinge, die mir früher Spaß gemacht haben oder ich nebenbei erledigen konnte, kosten mich heutzutage enorm viel Kraft. Sei es Ordnung zu halten, eine Bewerbung zu schreiben oder generell Entscheidungen zu treffen. 

Genau wie du setze ich mich häufig mit Vorurteilen, sowohl von mir als auch anderen Menschen, auseinander. Auch ich wünsche mir eine Welt, in der wir uns lieber eine persönliche Meinung bilden, anstatt über Menschen aufgrund der Erfahrung anderer oder dem "ersten Blick" zu urteilen. Dabei dürfen wir jedoch nicht vergessen, dass wir alle nur Menschen sind. Wir alle machen Fehler und auch ich gebe zu immer wieder Vorurteile (unbewusst) aufzubauen... Hier zum Beispiel, eine rothaarige Reinigungskraft mit Besen - denke ich mir auch sofort "Aha..., eine Hexe". Doch du hast recht. Es ist wichtig, dass wir daran arbeiten und uns gegenseitig immer wieder darauf aufmerksam machen, Menschen nicht nach ihrem äußeren, ihrer Herkunft oder was auch immer zu beurteilen - sondern nach der Person als solche. 

Ein anderer Punkt, der auch mich in letzter Zeit sehr beschäftigt hat, ist, dass Depression ein absolutes Tabuthema ist. Hierzu kann ich aus eigener Erfahrung berichten, dass Depression (Burn-Out oder Psychosen) (so wie du meintest: "unsichtbare Krankheiten") oft "umgangen" werden. Dabei beginnt diese ganze Isolation solcher Themen bereits in der Schule/Biologie-Unterricht. Währenddessen Krankheiten wie Trisomie-21, Langfingrigkeit oder Bluterkrankheit jedes Jahr auf's Neue behandelt und "auswendig gelernt" werden müssen, worüber es natürlich auch bescheid zu wissen gilt, werden andere Krankheiten komplett außen vor gelassen. Sicherlich hängt es mit der heutigen Gesellschaft und dem Leistungsdruck zusammen. Jeder muss perfekt laufen, wie eine Maschine. Bist du krank? Kein Problem, wirst du eben aussortiert... Insbesondere Depression ist eine Krankheit, die viel zu wenig anerkannt ist. Insbesondere unter dem Gesichtspunkt, dass sie, wie du bereits erwähnt hast, bis zum Tode führen kann. Die Ernsthaftigkeit wird oftmals gar nicht begriffen. Dennoch erhoffe ich mir, dass an dieser Stelle irgendwann die Hemmschwelle fallen wird. 

Da ich Weihnachten wahrscheinlich für einige Wochen in eine Psychiatrie muss und dies wohl kaum unbemerkt an meiner Klasse vorübergehen wird, hoffe ich so zumindest als "Nebeneffekt" das Interesse an unserer Krankheit neu wecken zu können und der Isolation dieser wichtigen Themen entgegen treten zu können.

Glaub mir, ich könnte ein ganzes Buch schreiben, was all deine Thesen und Sichtweisen unterstreichen und unterstützen würde, nur würde dies den Rahmen sprengen und mich zu viel Kraft kosten.

Ich hoffe ich konnte dir damit vermitteln, dass ich deine Gefühle in vielerlei Hinsicht teile.

Liebe Grüße,

Personcheck

AntwortZitat
Veröffentlicht : 14/11/2018 8:54 pm
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